ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2010Christoph Fuchs: In Sorge um den freien Arztberuf

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Christoph Fuchs: In Sorge um den freien Arztberuf

Dtsch Arztebl 2010; 107(5): A-199 / B-175 / C-171

Stüwe, Heinz

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Christoph Fuchs. Foto: Georg J. Lopata
Christoph Fuchs. Foto: Georg J. Lopata
Am 1. Juli 2010 ist es 20 Jahre her, dass Prof. Dr. med. Christoph Fuchs, damals Ministerialdirigent und Abteilungsleiter im rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt und Gesundheit, als Hauptgeschäftsführer zur Bundes­ärzte­kammer nach Köln wechselte. Die Zeiten ändern sich, manche Probleme auch: Neben der Beratung und Unterstützung der Kollegen in der DDR beim Aufbau einer ärztlichen Selbstverwaltung nannte Fuchs vor seinem Amtsantritt die „weiter wachsende Ärztearbeitslosigkeit“ und die „auseinanderklaffende Schere zwischen sinnvoller und finanzierbarer Medizin“ als Themen, die er vordringlich angehen wolle. Mit dem Spannungsverhältnis von medizi-nischer Ethik und ökonomischen Zwängen beschäftigt sich Fuchs schon sein ganzes Berufsleben – als Wissenschaftler an der Universität Göttingen, als Gründungsmitglied der Akademie für Ethik in der Medizin und gerade auch als Hauptgeschäftsführer der Bundes­ärzte­kammer und des Deutschen Ärztetages. Wenn heute das Thema Priorisierung medizinischer Leistungen als Gegenentwurf zu der das Arzt-Patienten-Verhältnis zerrüttenden heimlichen Rationierung in der Öffentlichkeit zumindest angekommen, wenn auch noch nicht allgemein akzeptiert ist, so hat Fuchs dazu die maßgebliche Vorarbeit geleistet.

Dass in der Öffentlichkeit vor allem Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe mit dem Thema identifiziert wird, entspricht der Arbeitsteilung im Team an der BÄK-Spitze. Fuchs arbeitet dem gewählten Vorstand loyal zu und drängt sich nicht in den Vordergrund. Er setzt aber durchaus eigene Akzente, wenn es zum Beispiel um die Förderung der Versorgungsforschung geht. Oder wenn er, wie auf dem 112. Deutschen Ärztetag in Mainz, deutlich seine Sorge artikuliert, der freie Beruf des Arztes könne zwischen den Zwängen des Sozialrechts und den Gewinninteressen von Großunternehmen erdrückt werden.

Auch nach den Jahren in der Ministerialverwaltung und in der Selbstverwaltung ist Fuchs von seinem Selbstverständnis vor allem eines geblieben: Arzt. Das prägt seine Arbeit und die der ganzen Geschäftsstelle der Bundes­ärzte­kammer. Fuchs studierte in Köln und Wien, wurde 1970 promoviert und erlangte in demselben Jahr die Approbation. An der Universität Göttingen arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent, schloss seine Weiterbildung zum Arzt für Innere Medizin ab, erwarb die Venia Legendi für Innere Medizin und Physiologie, wurde zum außerplanmäßigen Professor und 1980 zum Professor im Beamtenverhältnis auf Lebenszeit ernannt. Wissenschaftlich beschäftigte sich Fuchs unter anderem mit Untersuchungen zum Myokard- und zum Fluoridstoffwechsel sowie mit Verfahren zur Behandlung von chronisch Nierenkranken.

Seine Dreifacherfahrung aus der Verwaltung, im politischen Geschäft und aus wissenschaftlicher Tätigkeit kommt Fuchs in seinem Amt tagtäglich zugute. Ebenso sein diplomatisches Geschick, das er oft unter Beweis gestellt hat. Entscheidungsprozesse in der föderalen Struktur der Kammern anzustoßen und mit einer einheitlichen Willensbildung abzuschließen, ist eine hohe Kunst und eine ständige Herausforderung. Denn die Einsicht, dass wie auch immer motivierte Extratouren letztlich der ärztlichen Selbstverwaltung insgesamt schaden, ist nicht allgemein verbreitet. Fuchs hätte deshalb zuweilen Anlass, aus der Haut zu fahren. Das aber ist nicht seine Art (und würde wohl auch nichts nützen), gerade deshalb wird er gebraucht, um die große ärztliche Familie zusammenzuhalten. Am 4. Februar wird Christoph Fuchs 65 Jahre alt. Das Deutsche Ärzteblatt gratuliert herzlich. Heinz Stüwe
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