ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2010Schmerztherapie: Fentanyl als Nasenspray

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Schmerztherapie: Fentanyl als Nasenspray

Dtsch Arztebl 2010; 107(5): A-203

Fath, Roland

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LNSLNS Da die Wirkung von Instanyl® innerhalb von zehn Minuten einsetzt, bietet sich diese Darreichungsform zur Therapie von Durchbruchschmerzen an.

Circa 50 bis 70 Prozent der Tumorpatienten leiden unter Durchbruchschmerzen, die in der Regel schlecht vorhersehbar sind. Dann benötigen die Patienten rasche Hilfe mit einem schnell wirksamen, starken Opioid. Seit kurzem steht dazu als neue Option das Stufe-III-Opioid Fentanyl erstmals als Nasenspray (Instanyl®) zur Verfügung. „Das Nasenspray schließt bei der Behandlung von Durchbruchschmerzen eine Lücke zwischen oraler und intravenöser Schmerztherapie“, sagte Dr. med. Thomas Nolte aus Wiesbaden.

Fentanyl sei gut für eine nasale Applikation geeignet, weil die Substanz stark lipophil sei und ein niedriges Molekulargewicht habe. Das Nasenspray wirke sehr rasch innerhalb von zehn Minuten. Als Vorteile der nasalen Anwendung nannte der Schmerztherapeut die große Oberfläche der Nasenschleimhaut mit guter Durchblutung und die schnelle und einfache Anwendung des Sprays seitens der Patienten.

Lineare Dosis-Wirkung-Beziehung
In klinischen Studien wurde für das Fentanyl-Nasenspray eine lineare Dosis-Wirkung-Beziehung belegt und eine Zeitspanne von lediglich 13 Minuten, bis nach der Anwendung maximale Plasmakonzentrationen erreicht waren. In einer direkten Vergleichsstudie bei insgesamt mehr als 190 Tumorpatienten mit Durchbruchschmerzen schnitt das Fentanyl-Nasenspray deutlich besser als der Fentanyl-Stick ab.

Die Zeit bis zur relevanten Schmerzlinderung habe bei intranasaler Therapie im Median nur elf Minuten im Vergleich zu 16 Minuten beim Lutscher gedauert, berichtete Nolte. Bei zwei Dritteln der Patienten wurde mit der intranasalen Therapie eine schnellere Schmerzlinderung erreicht. 90 Prozent der Patienten bewerten die intranasale Therapie als einfach oder sehr einfach (im Vergleich zu 40 Prozent beim Fentanyl-Stick), und drei Viertel der Befragten bevorzugten das Nasenspray. Bei der Verträglichkeit gab es keine Unterschiede zwischen beiden Darreichungsformen.

Alle schnell wirksamen Opioiddarreichungen – Fentanyl gibt es jetzt als Lutscher, Nasenspray und sublinguale Brausetablette – seien für eine individuelle Therapie nach den Bedürfnissen des Patienten notwendig, betonte Nolte.

Typischerweise erreichen Durchbruchschmerzen innerhalb weniger Minuten ihre maximale Intensität und klingen auch rasch wieder ab. Bei drei Vierteln der Betroffenen seien die Schmerzattacken nach 30 Minuten wieder vorbei, berichtete Prof. Dr. med. Friedemann Nauck aus Göttingen. Kommt es täglich sehr häufig zu Durchbruchschmerzen, sollte immer auch an eine Anpassung der Basisanalgesie gedacht werden. Aber zur Kupierung von Schmerzspitzen ist bei den meisten Patienten ein schnell wirkendes Opioid bei Bedarf erforderlich.

Das Fentanyl-Nasenspray gibt es in drei Dosierungen mit 50 µg, 100 µg und 200 µg Wirkstoff pro Sprühstoß in einer kindersicheren Verpackung.
Roland Fath
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