ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2010Börsebius: Das Orakel hat zugeschlagen

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Börsebius: Das Orakel hat zugeschlagen

Dtsch Arztebl 2010; 107(5): A-204 / B-180 / C-176

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LNSLNS Der Mann, dessen Name ich später noch nennen werde, hat im letzten Jahr eine ganz furchtbare Performance hingelegt. Er hat nichts, aber auch gar nichts verdient, sondern sogar ein paar Prozent für seine Anleger verloren. Nun wäre es aber völlig verfehlt, ihm argumentativ Felsbrocken hinterherzuwerfen, wie: „Der DAX hat doch zweistellig zugelegt!“

Einmal davon abgesehen, dass bei diesem Indexaufstieg ohnehin vergleichsweise wenige dabei waren (weil der DAX bei dünnen Umsätzen zugelegt hat), kommt es immer auf die Langfristigkeit bei einer Anlageentscheidung an – also auf die Frage, was wird mein Investment in drei, vier, fünf oder mehr Jahren abwerfen. Wer heute Siemens, Deutsche Bank, Bayer oder Allianz kauft, kann möglicherweise auch am Ende dieses Jahres wieder nicht reüssieren und wird argwöhnische Kritiker auf den Plan rufen, aber wer kennt schon den niedrigsten Einstiegskurs. Auf längere Sicht jedoch bin ich ziemlich zuversichtlich, dass mit diesen Werten noch viel Ertrag ins Portefeuille kommt.

Ja, und was wäre dann zum Beispiel mit der Münchener Rück? Das ist ein wirklich guter Einwand. Damit komme ich, siehe oben, wieder zum schlechten Performer des Jahres 2009, dem legendären Warren Buffett nämlich, auch bekannt als Orakel von Omaha.

Die Investmentlegende aus dem US-Bundesstaat Nebraska überzeugt seit Jahrzehnten mit einer ziemlich treffsicheren Nase und deutlichen Überrenditen für seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, aber eben in der Langfristbetrachtung. Buffett kauft nur Werte, deren Geschäftsmodell er versteht und von denen er glaubt, dass deren innerer Wert derzeit von der Börse als viel zu niedrig taxiert wird. Dieses Prinzip kann so schlecht nicht sein, denn mit diesem Value-Ansatz hat es der gute Buffett immerhin zu einem Privatvermögen von 37 Milliarden US-Dollar gebracht.

Nun also hat das Orakel von Omaha wieder zugeschlagen und aktuell gemeldet, es habe mehr als drei Prozent an der Munich Re erworben, den meisten von Ihnen eben doch noch als Münchener Rück bekannt. Munich Re, die im Herbst letzten Jahres umbenannt wurde, ist im Geschäft für Großrisiken tätig. Versicherer decken ihre Risiken über sie ab. Es sieht also so aus, dass Buffett wieder einmal Krisenzeiten nutzt, um bei profitablen Geschäften günstig einzusteigen.

Und die Munich Re ist, das lässt sich mit Fug und Recht sagen, ziemlich gut durch die schlimmen beiden letzten Jahre gesegelt. Für das vergangene Jahr dürften die Münchener etwas mehr als zwei Milliarden Euro verdienen, und das soll wohl auch für das laufende Jahr erreicht werden.

Kurzum: Wenn ein seit Jahrzehnten erfolgreicher Investor sich einen Wert einverleibt, kann es durchaus erfolgversprechend sein, seiner Fährte zu folgen. Auch wenn er kurzzeitig falschliegt. Vermeintlich.
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