ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1997Gentechnik: Tendenziös

SPEKTRUM: Leserbriefe

Gentechnik: Tendenziös

Gail, Simon

Zu dem Beitrag "Kampagne gegen ,Gentechnik' - und wer dahintersteckt" von Hans-Joachim Maes in Heft 19/1997
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LNSLNS Um es gleich klarzustellen: ich gehöre weder der Glaubensgemeinschaft von Maharishi Mahesh Yogi noch sonst einer religiösen "Sekte" an, sondern bin als Arzt einer naturwissenschaftlich evolutionären Weltsicht verpflichtet.
So wichtig ich eine kritische Auseinandersetzung ohne Tabus auch mit emotional besetzten Themen und deren Hintergründen finde, so wenig kann ich die tendenziöse Art des Beitrags von Herrn Maes gutheißen. Der Artikel könnte positiverweise dazu dienen, die behaupteten "Hintergründe und Hintermänner" näher zu untersuchen und eventuelle unlautere Machenschaften aufzudecken. Ob eine solch nüchterne Analyse durch den Artikel jedoch tatsächlich bezweckt wird, erscheint mir sehr fraglich, da sein durchgängiger Tenor ganz andere Schlüsse nahelegt. Die sich kritisch mit Gentechnologie auseinandersetzenden Menschen werden entweder als verkappte Sektenanhänger mit bestenfalls anrüchigen Absichten diffamiert oder günstigstenfalls als naive Marionetten religiös verbrämter Ideologien dargestellt. "Greenpeace" ist es, neben anderen Organisationen, zu verdanken, daß sich ein ökologisches Bewußtsein auf breiter Basis entwickeln konnte und eine Sensibilität für diese Themen auch weiterhin bestehenbleibt. Daß diese Organisation nun auf solche Weise in Mißkredit gebracht werden soll, drängt mir wiederum die Frage nach den daran interessierten "Hintermännern" auf.
Gerade als Arzt und Naturwissenschaftler stehe ich der Gentechnologie kritisch - im Fall von genmanipulierten Pflanzen mit ihren überhaupt nicht abschätzbaren Auswirkungen auf das komplexe Ökosystem Erde - bis ablehnend gegenüber. Welch verheerende Auswirkungen solche Eingriffe haben können, beginnen wir gerade zu ahnen. So erscheint eine kritische Auseinandersetzung mit dieser brisanten Thematik dringend erforderlich, auch mit eventuell ideologischen Auswüchsen. Gegen die Tendenz, Kritiker der Gentechnologie auf solche Art unisono diffamieren zu wollen, möchte ich mich verwahren. Hiermit wurde der sachlich-kritischen Auseinandersetzung kein Dienst erwiesen.
Dr. med. Simon Gail, Herchenbachstraße 13, 34253 Lohfelden
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