ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2010Nutzen der Kühlung ungeklärt
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LNSLNS Der Nutzen einer Kaltwassertherapie hinsichtlich einer Verminderung des „Abtiefens“ der Verbrennungswunde ist in einigen Tiermodellen nachgewiesen worden, allerdings nur für eine verbrannte Körperoberfläche von circa 1–5 Prozent und einen sofortigen Beginn der Kühlung. Setzt die Kühlung nur wenige Minuten nach dem Trauma ein, ist ein positiver Effekt schon nicht mehr nachweisbar. Eine lang andauernde oder zu kalte Kühlung vergrößert sogar das Nekroseausmaß. Ob eine Kaltwassertherapie unter den Gegebenheiten am Unfallort überhaupt einen Nutzen hat, ist ungeklärt. Die Hypothermie dagegen ist bei Brandverletzten ein häufiges und mortalitätsrelevantes Problem (1). Die von den Autoren empfohlene Kühlung der verbrannten Hautareale von (20 bis) 30 Minuten Dauer halten wir daher für deutlich zu lang. Aus unserer Sicht ist die Kaltwassertherapie eine Maßnahme der Erst- und Laienhilfe. Die erste Maßnahme des Rettungsdienstes oder Notarztes sollte die Beendigung der Kühlung und die Wärmezufuhr sein. Die Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin empfiehlt eine Kühlung mit Leitungswasser nur bei kleinen Verbrennungen, bei großflächigen Verbrennungen ist sie unseres Erachtens kontraindiziert. Ähnlich lautende Empfehlungen sind vom Deutschen Feuerwehrverband veröffentlicht worden (2).

Die Autoren empfehlen am Unfallort die Anlage von „mehreren venösen Zugängen“. Sinnvoller ist die Anlage von nur einem venösen Zugang, der für die Infusion von 500 bis 1 000 mL kristalloider Lösung pro Stunde absolut ausreichend ist. Dieses Vorgehen verkürzt die präklinische Versorgungszeit und minimiert das Risiko einer mortalitätssteigernden Überinfusion.

Die Aussage, es gäbe keine Richtlinie für die Ernährung verbrannter Patienten, ist unzutreffend. Die „European Society for Parenteral and Enteral Nutrition“ hat im Jahre 2006 Leitlinien publiziert, die auch Aspekte der Ernährung bei Verbrennungspatienten beinhalten (3).
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0101a

Dr. med. Tomislav Trupkovic
Dr. med. Uwe Hoppe
Prof. Dr. med. Stefan Kleinschmidt
Ludwig-Guttmann-Straße 13
67071 Ludwigshafen

Prof. Dr. med. Peter Sefrin
Sandweg 11
97078 Würzburg
1.
Lönnecker S, Schoder V: Hypothermie bei brandverletzten Patienten – Einflüsse der präklinischen Behandlung. Chirurg 2001; 72: 164–7. MEDLINE
2.
Deutscher Feuerwehrverband: Stellungnahme zur Kühlung von Brandwunden 2003. www.dfv.org
3.
Kreymann K, Berger M, Deutz M: ESPEN Guidelines on enteral nutrition: intensive care. Clin Nutr 2006: 25; 210–23. MEDLINE
4.
Spanholtz TA, Theodorou P, Amini P, Spilker G: Severe burn injuries—acute and long-term treatment [Versorgung von Schwerstverbrannten: Akuttherapie und Nachsorge]. Dtsch Arztebl Int 2009: 106: 607–13. VOLLTEXT
1. Lönnecker S, Schoder V: Hypothermie bei brandverletzten Patienten – Einflüsse der präklinischen Behandlung. Chirurg 2001; 72: 164–7. MEDLINE
2. Deutscher Feuerwehrverband: Stellungnahme zur Kühlung von Brandwunden 2003. www.dfv.org
3. Kreymann K, Berger M, Deutz M: ESPEN Guidelines on enteral nutrition: intensive care. Clin Nutr 2006: 25; 210–23. MEDLINE
4. Spanholtz TA, Theodorou P, Amini P, Spilker G: Severe burn injuries—acute and long-term treatment [Versorgung von Schwerstverbrannten: Akuttherapie und Nachsorge]. Dtsch Arztebl Int 2009: 106: 607–13. VOLLTEXT

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