ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1997Ärztebesuche: Provokant und einseitig

SPEKTRUM: Leserbriefe

Ärztebesuche: Provokant und einseitig

Richter, Andreas

Zu der Glosse "Eine Ketzerin klagt an" von Elena Ezeani in Heft 19/1997
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LNSLNS Der Artikel ist provokant, das muß eine Glosse wohl sein. Mich ärgert, daß er einseitig ist. Wenn Frau Ezeani das, was sie hier schreibt, wirklich meint, hat sie sich nicht für einen Lidschlag in die heutige Situation der Ärzteschaft versetzt. Gern würde ich erfahren, für welchen niedergelassenen Kollegen die Finanzierung eines Internet-Anschlusses im Wartezimmer "zum kurzweiligen Surfen" tatsächlich "allenfalls Peanuts" darstellt. Und liegt es denn am Arzt, daß die Bilderbücher ständig zerfleddert sind, wie im übrigen auch die gescholtenen Lesezirkelhefte teilweise bereits nach wenigen Tagen? Ich garantiere, daß besagter Internet-Schnickschnack auch nach spätestens einem Quartal ausgesurft hat.
Darf es für Frau Ezeani vielleicht noch eine kleine Gratisbeköstigung mit selbstgebackenen Plätzchen oder eine Auswahl an literarischen Häppchen sein? Dann wird’s erst so richtig gemütlich. Was sind wir Ärzte doch für unmoralische Knauserköpfe, schließlich "kosten die Vorschläge nichts als ein wenig (den Patienten gewidmete) Zeit und Mühe" - wem widmen wir sie denn nun eigentlich sonst von morgens bis abends? Mehr noch, Frau Ezeani würde am liebsten jede Wartezeit durch den behandelnden Arzt bezahlen lassen. Vielleicht als Abschlag von den zu erwartenden 4,80 DM für die ausführliche Beratung nach Ziffer 2, die sie sich offenbar einmahnt? Und oh Gott, es wurden sogar schon mal zwei Patienten zur gleichen Zeit bestellt. Vor Frau Ezeani scheint kein Terminplan sicher zu sein. Tatsache ist, daß Tag für Tag zirka 10 bis 20 Prozent der festen Terminpatienten in meiner Praxis nicht erscheinen und eine Terminraffung notwendig machen. Wenn es hier schon ums Eingemachte geht, warum nicht von jedem Patienten, der seinen Termin nicht (oder fünf Minuten vorher) absagt, eine Ausfallgebühr (zehn DM) erheben? Dann könnten wir auch zuverlässiger terminieren und Frau Ezeani in der Ausführlichkeit der Beratung endgültig zufriedenstellen. Oder aus welchem Grund sonst wechselt sie ständig ihre Ärzte, was ihr ja offensichtlich einen reichen Erfahrungsschatz in bezug auf Wartezimmer beschert, aber der Allgemeinheit letztendlich auch die bekannten Mehrkosten durch ArztHopping?
Dr. med. Andreas Richter, Markt 11, 50374 Erftstadt-Lechenich
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