ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2010Reform der Ausbildung: Zwei Berufe empfohlen

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Reform der Ausbildung: Zwei Berufe empfohlen

PP 9, Ausgabe Februar 2010, Seite 55

Meißner, Marc

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LNSLNS Eine Neuordnung der Ausbildung der Psychotherapeuten ist überfällig. Gutachter empfehlen zwei approbierte psychotherapeutischen Berufe: Psychotherapeut für Erwachsene und für Kinder und Jugendliche.

Foto: dpa
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Die Ausbildung der Psychologischen Psychotherapeuten (PP) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) muss dringend reformiert werden. So müssen etwa die Zugangsvoraussetzungen neu festgelegt werden, denn die Magister- und Diplomstudiengänge wurden auf Bachelor und Master umgestellt. Im Mai 2009 legte eine Forschergruppe ein vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium in Auftrag gegebenes Gutachten vor, das die Ausbildungssituation analysierte und Vorschläge für eine mögliche Reform lieferte. In einer aktuellen Stellungnahme ergänzten die Forscher ihr Gutachten, um Unklarheiten auszuräumen.

Die Forscher betonten darin nochmals, dass sie zwei approbierte psychotherapeutische Berufe empfehlen: den Psychotherapeuten mit Schwerpunkt Erwachsene und den Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche. Alternativ sei auch nur ein psychotherapeutischer Beruf möglich, dann aber mit einer Spezialisierung für die Behandlung von Erwachsenen oder Kindern und Jugendlichen. In beiden Varianten sollte für die Auszubildenden die Möglichkeit bestehen, durch eine längere Ausbildungszeit beide Approbationen beziehungsweise Spezialisierungen zu erlangen.

Masterabschluss als Zugangsvoraussetzung
Bisher schließt sich die Ausbildung zum PP beziehungsweise zum KJP an ein abgeschlossenes sozialwissenschaftliches Studium an. Die Forscher empfehlen, dieses Verfahren beizubehalten. Die Strukturen dafür seien etabliert und bewährt. Änderungen könnten hingegen zu neuen Problemen führen, ohne Qualität oder Ablauf der Ausbildung zu verbessern. Eine direkte Qualifikation über ein Studium mit anschließender Weiterbildung – wie bei Medizinern – lehnen die Gutachter hingegen ab. Nach ihrer Einschätzung ist ein Masterabschluss aufgrund der fehlenden klinischen Erfahrung nicht ausreichend, um einen Heilberuf auszuüben.

Zugangsvoraussetzung für die Ausbildung zum PP oder KJP soll der Masterabschluss sein. Derzeit wird in etwa der Hälfte der Bundesländer auch ein Bachelor für die Zulassung zur KJP-Ausbildung akzeptiert. Nach Ansicht der Gutachter senkt dies jedoch die Ausbildungsqualität zu sehr. Schon jetzt zeige sich, dass Absolventen mit Fachhochschuldiplom oder Magister im Durchschnitt häufiger Prüfungen wiederholen müssten und schlechtere Abschlussnoten erreichten, als Absolventen mit höheren Hochschulabschlüssen. Der Bachelor als Zugangsvoraussetzung würde die Eingangsqualifikation – allein durch die um ein Jahr kürzere Regelstudienzeit – weiter reduzieren.

Inhaltlich sprechen sich die Gutachter dafür aus, die Ausbildung wie bisher an einem Schwerpunkt- beziehungsweise Vertiefungsverfahren auszurichten. Entscheidend sei dabei, dass die Ausbildung ein evidenzbasiertes Arbeiten unter Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse ermögliche.

Im Rahmen des Gutachtens wird außerdem auf eine Kompetenzerweiterung der Psychotherapeuten eingegangen. Demnach wird empfohlen, Psychotherapeuten zu ermächtigen, Patienten krankzu- schreiben, Heil- und Hilfsmittel zu verordnen sowie Überweisungen in psychiatrische Kliniken vorzunehmen. Dass PP und KJP Psychopharmaka verschreiben dürfen, lehnten die Forscher hingegen ab. Die hierfür notwendigen Grundlagen wären zu umfangreich, um sie in die Ausbildung zu integrieren.
Dr. rer. nat. Marc Meißner
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