ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2010Drogen am Arbeitsplatz: Ein weit verbreitetes Phänomen

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Drogen am Arbeitsplatz: Ein weit verbreitetes Phänomen

PP 9, Ausgabe Februar 2010, Seite 66

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LNSLNS Alkohol, Medikamente und Drogen am Arbeitsplatz erhöhen nicht nur die Unfallgefahr, sondern beeinträchtigen fast alle Bereiche des Berufslebens. Zu diesem Ergebnis kommen Kommunikationsforscher der University of Central Florida. Sie berichten, dass Drogenmissbrauch in der Arbeitswelt ein weit verbreitetes Phänomen sei. Jede Droge wirkt auf eine spezifische Weise. Typisch für den Missbrauch von Cannabinoiden (zum Beispiel Marihuana) sind beispielsweise Drohgebärden, lautes Reden und plötzliche Heiterkeitsausbrüche. Bei längerer Drogenwirkung kommen Vergesslichkeit, Müdigkeit und motorische Verlangsamung hinzu. Beruhigungsmittel (zum Beispiel Alkohol, Barbiturate, Benzodiazepine) bewirken unter anderem eine undeutliche Sprache, verflachte Affekte und Unzurechnungsfähigkeit. Dissoziativa (zum Beispiel PCP) führen zu raschen Stimmungswechseln und unvorhersehbarem Verhalten. Das Äußere erscheint starr und maskenhaft. Auch Rauschsymptome, Desorientierung, Denkfehler, Verwirrung, Wahrnehmungstäuschungen, Agitation und Gewalttätigkeiten gehören zum Spektrum der Auffälligkeiten. Halluzinogene (zum Beispiel LSD, Meskalin, halluzinogene Pilze) bewirken Störungen der Sinnes- und Zeitwahrnehmung. Stimmung und Verhalten wechseln rasch, und es treten blitzartige Erinnerungen an unangenehme Erlebnisse auf. Opiate (zum Beispiel Heroin, Morphin) machen schläfrig und lethargisch, so dass die Arbeitsbereitschaft in höchstem Maße beeinträchtigt wird. Die Sprache wirkt verwaschen, und die Bewegungen sind verlangsamt. Stimulanzien (zum Beispiel Amphetamine, Kokain) führen zu übertriebener Wachheit und Energiefreisetzung, was sich bis zu Panik und Paranoia steigern kann. Unüberlegte, schnelle Handlungen und Reaktionen, ein übermäßiger Rededrang, Nervosität, Reizbarkeit und Streitsucht sind weitere Anzeichen. Darüber hinaus zählen auch Inhalantien (zum Beispiel Leim, Klebstoff, Farben) und Muskelaufbaupräparate (zum Beispiel anabole Steroide) zu den Substanzen, die Denken, Verhalten und Kommunikation am Arbeitsplatz beeinträchtigen. Inhalantien sind für Lethargie, Bewusstseinsstörungen sowie für verlangsamte und unkontrollierte Bewegungen verantwortlich. Muskelaufbaupräparate können erhöhte Aggressivität und Gewaltbereitschaft bewirken.

Drogen und Medikamente am Arbeitsplatz mindern die Produktivität. Sie sorgen für zahlreiche Missverständnisse und Fehler. Termine werden nicht eingehalten, Anweisungen bleiben ungenau, und es mangelt an Sorgfalt und Ernsthaftigkeit bei der Arbeit. Die Gefahr, unter Drogeneinfluss Mitarbeiter zu gefährden und Schäden oder Produktionsausfälle zu verursachen, ist groß. Verantwortungsloses Verhalten, Unzurechnungsfähigkeit, Stimmungsschwankungen und auffälliges Gebaren beeinträchtigen die Abläufe im Unternehmen. Darüber hinaus werden Mitarbeiter und Kunden brüskiert und der Ruf des Unternehmens geschädigt. „Die Bedeutung von Drogen in der Arbeitswelt wird immer noch unterschätzt“, so die Autoren. Sie empfehlen, dem Problem mehr Aufmerksamkeit zu widmen und konsequent Drogentests einzusetzen, um die Betroffenen zu identifizieren und zu behandeln. ms

Breen GM, Matusitz J: An updated examination of the effects of illegal drug use in the workplace. Journal of Human Behavior in the Social Environment 2009; 19(4): 434–47.
Dr. Jonathan Matusitz, Nicholson School of Communication, University of Central Florida, 600 Colonial Center Parkway, Lake Mary, FL 32746 (USA), E-Mail: jmatusit @mail.ucf.edu
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