ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2010Ausbildungsreform: Gutachter empfehlen zwei Berufsspezialisierungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Geschrieben steht im Editorial als Neuerung in 2010, dass es, statt wie bisher zwei nur noch einen approbierten Beruf als Psychotherapeut geben soll, der berufsrechtlich die Erlaubnis erhalten wird, alle Altersgruppen eigenverantwortlich psychotherapeutisch zu behandeln. Das bedarf einer Erläuterung und Korrektur: Zunächst ist es rein zeitlich unmöglich, dass bereits in 2010 Änderungen des Psychotherapeutengesetzes erfolgen. Sollte die Politik überhaupt rechtliche Veränderungen vornehmen, ist damit zum Ende der Legislaturperiode zu rechnen. Der Koalitionsvertrag gibt der Regierung dazu allerdings keinen Auftrag.

Dennoch ist es unbedingt erforderlich, dass zumindest für den Zugang zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapieausbildung nach der Bachelor-Master-Reform neue Regelungen gefunden werden. Die von der Bundesregierung beauftragte Forschergruppe zur Reform der Psychotherapieausbildung hat in ihrem im April vorgelegten Forschungsgutachten aufgrund der empirisch erhobenen Ergebnisse und nach Abwägung der unterschiedlichen strukturellen Alternativen empfohlen, dass eine Approbationsordnung alle Teile einer postgradualen Ausbildung festlegt. Diese soll auf einen Masterabschluss in einem sozialwissenschaftlichen Studiengang folgen und mit einer Approbation für den „Psychotherapeuten mit Schwerpunkt Erwachsene“ oder mit einer Approbation für den „Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche“ abschließen, also zwei Berufe umfassen. Es bestünde für alle Auszubildenden die Möglichkeit, durch eine Ausbildungsverlängerung beide Approbationen zu erwerben.

Durch die differenzierte Bezeichnung Psychotherapeut „mit Schwerpunkt. . .“ sieht die Gutachtergruppe alternativ aber auch die Möglichkeit der Ausbildung in einem Beruf Psychotherapeut mit entsprechender Spezialisierung „Kinder/Jugendliche“ oder „Erwachsene“. Auch nach diesem Modell hätten Ausbildungsteilnehmer die Möglichkeit, durch eine zu definierende Verlängerung der Ausbildung beide Spezialisierungen zu erwerben. Im Modell des Forschungsgutachtens stehen die Approbation und der sozialrechtliche Fachkundenachweis am Ende aller absolvierten Ausbildungsteile.

Sowohl für die Übergangsperiode, in der zumindest der Qualifikationsstand der Diplom- beziehungsweise Magisterstudiengänge aufrechterhalten werden muss (mindestens ein Jahr längere Studiendauer als im Bachelor) als auch als mittelfristige Option für Absolventen der sozialpädagogischen beziehungsweise erziehungswissenschaftlichen Masterstudiengänge, die nicht die geforderte Eingangsqualifikation erreichen, hält es die Forschergruppe für notwendig, Möglichkeiten für Brückenqualifikationen zu schaffen.

Weiterhin empfiehlt die Forschergruppe, das derzeitige gut erprobte Ausbildungsmodell mit einer Psychotherapieausbildung nach einem Masterabschluss grundsätzlich zu erhalten. Die Veränderung jahrzehntelang aufgebauter Strukturen gefährdet die Qualität der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung und schafft möglicherweise unübersehbare neue Probleme, ohne die Qualität der Ausbildung zu verbessern und deren Praktikabilität zu garantieren. Das „duale Modell“ ermöglicht die wichtige Verfahrensvielfalt von Psychotherapie und schafft einen Rahmen für die Auswahl persönlich und fachlich geeigneter Persönlichkeiten sowie die Vermittlung von vielfältigen klinischen Erfahrungen durch Experten, die über eine jahrelange Praxis als Psychotherapeuten verfügen.

Nach der Vorlage des Forschungsgutachtens wurden in der Profession verschiedene weiterführende beziehungsweise alternative Reformvorschläge entwickelt, unter anderem ein Vorschlag für die Ausbildung in einem Psychotherapie-Beruf, der – wie im Editorial erwähnt – alle Altersgruppen behandeln kann.

Dr. Steffen Fliegel, Mitglied der o.a. Forschungsgruppe, 48155 Münster, Telefon: 02 51/ 60 98 79-14/-0, Fax: 02 51/60 98 79-20, Mobil: 01 70/9 69 98 13, www.klipsy-ms.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige