ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2010Patienten: Theorie und Praxis
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LNSLNS Durch das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium wurde im Jahre 2000 ein Förderprogramm „Der Patient als Partner im medizinischen Entscheidungsprozess“ durchgeführt und mit 6,5 Millionen D-Mark gefördert – leider bisher nur mit marginalem Erfolg, wie der Artikel „Wünsche der Betroffenen“ zur evidenzbasierten Patienteninformation fundiert darlegt. Der theoretische Hintergrund, durch eine umfassende Patienteninformation und -motivation eine effizientere individualisierte Therapie zu erreichen, wird in der Praxis jedoch durch den immer wieder auftretenden „subjektiven Faktor“ konterkariert. So stellen vorhandene Leitlinien zwar evaluierte therapeutische Handlungsalgorithmen dar, welche aber in der individuellen Therapiesituation immer wieder überprüft werden müssen, um der Situation des einzelnen Patienten gerecht zu werden. Eine Patienteninformation zu Leitlinien und deren individueller Anwendung bei diversen Komorbiditäten, um jedem Einzelfall gerecht zu werden, würde jeden Patienten total überfordern, abgesehen vom zeitlichen und personellen Beratungsaufwand. Die Indikation zu einer Therapie kann nur vom Arzt aus seiner Gesamtschau auf alle medizinischen Aspekte des medizinischen Einzelfalls getroffen werden. Doch vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt! Es macht also wenig Sinn, vor der ärztlichen Untersuchung mit dem Patienten alle möglichen Therapieoptionen zu erörtern, um das Compliance-Problem durch medizinisches Verständnis zu erleichtern. Erst nach der Diagnostik kann mit dem Patienten die individuelle Vorgehensweise besprochen werden – hier setzt das Zeitproblem im ärztlichen Alltag an! Für diese Situation bräuchte es verständliche neutrale Patientenratgeber, die ihn zusätzlich zur ärztlichen Therapieempfehlung, welche von den meisten Patienten stillschweigend als richtig vorausgesetzt wird, zur korrekten Durchführung der Behandlung motivieren. Die Möglichkeiten der Einbeziehung in therapeutische Entscheidungsprozesse erfordern allerdings einen mündigen und informierten beziehungsweise interessierten Patienten – ein Zustand, welcher zwar generell in theoretischen Erörterungen vorausgesetzt wird, aber in der Praxis oft an den fehlenden mentalen Fähigkeiten oder der Motivation zur Selbstbestimmung fehlt . . .
Dr. Michael Wetzig, 06108 Halle/Saale
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