ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2010Körpersprache: Kompendium mit Fallbeispielen – eine zwiespältige Bilanz

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Körpersprache: Kompendium mit Fallbeispielen – eine zwiespältige Bilanz

PP 9, Ausgabe Februar 2010, Seite 83

Kattermann, Vera

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Für alle, die neugierig sind, ob und wie sich körperliche Wahrnehmung und Körpersprache in den psychotherapeutischen Praxisalltag integrieren lassen, ist mit der „Grammatik der Körpersprache“ ein Buch erschienen, das diese Fragestellung eingehend zu beleuchten antritt. Die Autoren setzen sich zum Ziel, „die Mittel, die der Körper mit seinen Bewegungs-, Ausdrucks- und Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt, unter einer bewegungsanalytischen Perspektive zu erfassen und ausgewählte körpersprachliche Interventionsmöglichkeiten für verschiedene psychotherapeutische Settings anzubieten“.

Als Leser ohne eingehende Vorkenntnisse macht das Buch neugierig, die Bilanz der Lektüre bleibt jedoch eher zwiespältig. Zunächst zu den positiven Aspekten: Die Kapitel sind logisch gut aufgebaut und übersichtlich strukturiert, Fallbeispiele illustrieren die theoretischen Darlegungen, die Texte sind gut lesbar und durch Bilder und Anschauungsmaterial aufgelockert. Insgesamt fühlt man sich jedoch erdrückt von einer Überzahl zusammengetragener Theorieansätze, einer Vielzahl an Schaubildern und Tabellen ebenso wie von spezifischen Fachtermini, die die Neugier oder auch die Lust darauf, sich für die besondere Qualität körpersprachlicher Interventionen zu öffnen, regelrecht abschnürt. Könnte es sein, dass die Autoren sich in Reaktion auf erfahrene oder fantasierte Entwertungen des körperorientierten Arbeitens in einen akademischen Ehrgeiz gestürzt haben, der jedoch gerade die Sensibilisierung und neugierige Freude auf diesen Zugang eher verhindert denn fördert? Sicherlich: Das Buch verfügt über ein eigenes Kapitel speziell für Fallbeispiele von Therapieverläufen mit körperorientiertem Ansatz und kann so Ideen für eine mögliche Umsetzung anbieten. Ebenso findet sich ein Interventionskatalog, der die Anwendung von Übungen im Praxisalltag unterstützen und fördern soll. Auch diese Zusammenschau wirkt aber eher nüchtern und stellenweise etwas technisch, so dass es bei der Lektüre kaum gelingt, eine innere Haltung und eine innere Sensibilität für die vorgeschlagene Arbeit auszudifferenzieren, also gleichsam innerlich mit der „Stimme seiner Körpersprache“ in Kontakt zu kommen.

So kann man dem Buch zugute- halten, dass es als ein äußerst ambitioniertes Unterfangen eine Vielzahl wissenschaftlicher Erklärungsmodelle und Verständniszugänge vorstellt und diskutiert, die für bereits vorgeschulte Leser vermutlich mit Gewinn zu lesen sind. Die Titulierung einer „Grammatik“ bringt diesen Anspruch eines Wissenskompendiums wohl treffend auf den Punkt. Für alle anderen aber dürfte die Auseinandersetzung mit dem Buch ansatzweise unbefriedigend bleiben: Der Zauber und die Poesie einer Sprache vermitteln sich wohl besser in der Alltagswelt selbst, eine Grammatik macht meist wenig Lust darauf, eine Sprache tatsächlich zu erlernen. Vera Kattermann

Sabine Trautmann-Voigt, Bernd Voigt: Grammatik der Körpersprache. Körpersignale in Psychotherapie und Coaching entschlüsseln und nutzen. Schattauer, Stuttgart, New York 2009, 332 Seiten, gebunden, 45 Euro
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