ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2010Mangel an Impfstoffen für Kinder

AKTUELL: Akut

Mangel an Impfstoffen für Kinder

Dtsch Arztebl 2010; 107(6): A-214 / B-190 / C-186

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Der Verband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland ist verärgert über einen Engpass bei Impfstoffen für Babys. Ihr Präsident, Dr. med. Wolfram Hartmann, kritisierte, dass der Arzneimittelhersteller Glaxosmithkline (GSK) nicht in der Lage sei, ausreichende Impfstoffmengen auf Vorrat zu produzieren, was seiner Ansicht nach durchaus machbar wäre. Er forderte die Bundesregierung auf, den Mangel zu beheben und auf das Unternehmen Einfluss auszuüben.

Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) sind der Sechsfachimpfstoff (Infanrix hexa®) gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und Haemophilus influenzae Typ b (Hib) sowie der Vierfachimpfstoff (Priorix Tetra®) gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken voraussichtlich bis Mitte Februar nicht mehr erhältlich.

Sprecher des Pharmaunternehmens Glaxosmithkline bedauerten bei einer Telefonkonferenz am Montag den Engpass; gleichzeitig widersprachen sie einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, wonach allein die Produktion des Influenza-Pandemie-Impfstoffs A/H1N1 Ursache für die Lieferprobleme sei. Bei dem Sechsfachimpfstoff habe eine verzögerte Qualitätsfreigabe der Hib-Komponente zur verspäteten Freigabe einzelner Chargen geführt. Bei dem Vierfachimpfstoff sei die Produktion eines Puffersubstrats in ein anderes Werk verlegt worden, um Kapazitäten für die H1N1-Vakzine frei zu machen.

GSK betont, dass die Herstellung von Impfstoffen ein komplexer biotechnologischer Prozess ist, der in der Vergangenheit auch bei anderen Impfstoffen schon zu Engpässen geführt habe; allein die Produktion des Sechsfachimpfstoffs dauere etwa ein Jahr. Bei dringender Indikation könne, so GSK, auf den hauseigenen Fünf- respektive Dreifachimpfstoff zurückgegriffen werden.

Auch das PEI verweist auf Alternativen für den nicht lieferbaren Vierfachimpfstoff Priorix-Tetra®: Gegen Masern, Mumps und Röteln seien die Impfstoffe Priorix der Firma GSK und M-M-RVAXPRO® der Firma Sanofi-Pasteur-MSD verfügbar. Bezüglich der Windpockenkomponente könne der Einzelimpfstoff Varivax® der Firma Sanofi-Pasteur-MSD eingesetzt werden. Außerdem prüft das PEI zurzeit die Verfügbarkeit weiterer Alternativprodukte.

Das Unternehmen GSK informiert die Ärzte kontinuierlich im Internet über die aktuelle Liefersituation unter: www.glaxosmithkline.de/jsp/arzte-apotheker/liefersituation.jsp (Doc-check-geschützt). Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
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