ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2010Krankenhaus-Barometer 2009: Munition für den Marburger Bund

POLITIK

Krankenhaus-Barometer 2009: Munition für den Marburger Bund

Dtsch Arztebl 2010; 107(6): A-224 / B-198 / C-194

Flintrop, Jens

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS 2009 blieben in den Krankenhäusern 5 000 Arztstellen unbesetzt – 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Das stärkt die Position der Ärzte in den Tarifverhandlungen.

Alles nur ein Zufall? In den zurückliegenden Jahren hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) immer sehr ausführlich über die Ergebnisse des Krankenhaus-Barometers informiert. Mit Verweis auf die Befragung mehrerer Hundert Krankenhäuser durch das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) wurden dann die Finanznöte der Kliniken beklagt. Das seit Dezember verfügbare Krankenhaus-Barometer 2009 war der DKG hingegen keine Silbe wert. Grund dafür dürfte sein, dass die Stellenbesetzungsprobleme der Krankenhäuser im Ärztlichen Dienst der aktuellen Erhebung zufolge noch einmal deutlich zugenommen haben. Zeitgleich mit der so wichtigen Tarifrunde der kommunalen Klinikarbeitgeber mit dem Marburger Bund wollte die DKG der Ärztegewerkschaft wohl keine zusätzliche Munition liefern; bestimmt doch die Nachfrage den Preis.

Nach dem Krankenhaus-Barometer 2009 haben derzeit 80 Prozent der Krankenhäuser Probleme, offene Stellen im Ärztlichen Dienst zu besetzen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Ärztemangel damit ausgeweitet. Seinerzeit hatten „nur“ 67 Prozent der Krankenhäuser entsprechende Stellenbesetzungsprobleme angegeben. Krankenhäuser, die Vakanzen im Ärztlichen Dienst meldeten, konnten durchschnittlich fast vier Arztstellen nicht besetzen. Dieser Wert blieb im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

Rechnet man die Stichprobenergebnisse auf die Grundgesamtheit der Allgemeinkrankenhäuser ab 50 Betten hoch, konnten 2009 bundesweit circa 5 000 Vollzeitstellen im Ärztlichen Dienst nicht besetzt werden. Im Vergleich zu 2008 hat sich die Anzahl somit nochmals um circa 1 000 Stellen beziehungsweise 25 Prozent erhöht, im Vergleich zu 2006 sogar nahezu vervierfacht.

Dabei gibt es nach den aktuellen Zahlen kein Ost-West-Gefälle mehr. Während in den vergangenen Jahren deutlich mehr ostdeutsche als westdeutsche Kliniken vom Personalmangel betroffen waren, haben sich die Werte nunmehr angeglichen. „Die Stellenbesetzung im Ärztlichen Dienst ist also mittlerweile ein gesamtdeutsches Problem“, schreibt das DKI.

Die DKG befürchtet, dass sich der Ärztemangel in den nächsten Jahren noch weiter verschärft – auch, weil der Bedarf an Ärzten weiter zunehme. Dies geht aus einer aktuellen Stellungnahme der DKG zu den krankenhausrelevanten Punkten im Koalitionsvertrag von Union und FDP hervor. Der steigende Bedarf an Ärztinnen und Ärzten ergebe sich aus dem demografischen Wandel, dem Wertewandel mit einer zunehmenden Familienorientierung, dem steigenden Anteil erwerbstätiger Frauen und dem wachsenden Anteil an Ärzten, die in nichtärztlichen Berufen tätig würden. Dieser Entwicklung müsse langfristig begegnet werden, indem die Studienkapazitäten im Fach Humanmedizin erhöht würden, meint die DKG.

Der Marburger Bund verfolgt in den Tarifverhandlungen mit den kommunalen Klinikarbeitgebern einen anderen Ansatz: Um die Abwanderung von Ärzten in andere Länder und Branchen zu bremsen, müsse man nur deren Gehälter um fünf Prozent anheben und Bereitschaftsdienste besser vergüten, argumentiert die Gewerkschaft.
Jens Flintrop
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema