ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2010Telemedizinstudie Cardiobbeat: Wo liegt der Mehrwert?

THEMEN DER ZEIT

Telemedizinstudie Cardiobbeat: Wo liegt der Mehrwert?

Dtsch Arztebl 2010; 107(6): A-238 / B-204 / C-200

Krüger-Brand, Heike E.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Eine gesundheitswirtschaftlich ausgerichtete Studie untersucht die Versorgung von Herzinsuffizienzpatienten.

Mit „CardioBBEAT“ startet eine der weltweit größten gesundheitsökonomischen Telemedizinstudien für Herzpatienten (www. cardiobbeat.de). An der prospektiven Studie werden über einen -Beobachtungszeitraum von einem Jahr 1 000 chronisch herzinsuffiziente Patienten (NYHA-Stadien II und III) aus Berlin und Brandenburg teilnehmen („Cardio“ steht für herzkranke Patienten, „BB“ für Berlin und Brandenburg, „EAT“ für Economic Analysis of TeleHealth). Davon werden per Zufallsverfahren 500 Patienten der Kontrollgruppe (ohne telemedizinische Unterstützung) und 500 der Interventionsgruppe (mit telemedizinischer Unterstützung zu Hause) zugeordnet.

Die Patienten der Kontrollgruppe werden nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie behandelt, die anderen 500 Patienten zusätzlich in ihrem häuslichen Umfeld telemedizinisch versorgt. „Wir brauchen relativ große Probandenzahlen, um halbwegs valide Aussagen machen zu können“, erklärte der klinische Studienleiter, Prof. Dr. med. Eckart Fleck vom Deutschen Herzzentrum Berlin, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Weitere medizinische Partner sind das Berliner Vivantes-Klinikum Neukölln und die Rehaklinik am See in Rüdersdorf. Die Patienten beider Gruppen werden zudem weiter durch ihre Haus- und Fachärzte betreut.

TV-basiertes System
Genutzt wird für die Referenzstudie das System „Motiva“ (Philips), ein TV-basierter Computer mit automatisierter Datenübertragung, über den die Patienten täglich wesentliche Gesundheitsparameter (Gewicht, Blutdruck, Puls) an das betreuende klinische Zentrum übermitteln. Weichen diese Parameter zu sehr ab, wird der jeweilige Arzt des Patienten zeitnah informiert. Zusätzlich erhält die Interventionsgruppe Informationen und Schulungen zu ihrer Erkrankung, um die Compliance zu verbessern.

Standardisiertes Verfahren
In der Studie gehe es nicht darum, die Wirksamkeit von Telemedizin nachzuweisen, sondern den tatsächlichen finanziellen Aufwand dafür im Rahmen der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) zu ermitteln, betonte Fleck. Auf der Basis der medizinischen und gesundheitswirtschaftlichen Daten soll ein standardisiertes methodisches Instrumentarium entwickelt werden, das es ermöglicht, die Kosteneffektivität auch von weiteren Innovationen im GKV-System abzubilden. Die Federführung bei der Methodenentwicklung hat das Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaft der Universität Bayreuth unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. phil. Eckhard Nagel. „Nur wenn sich wissenschaftlich nachweisen lässt, dass telemedizinische Verfahren eine Verbesserung der Patientenbetreuung bewirken und gleichzeitig eine angemessene Kosteneffektivität haben, sollten sie in den Leistungskatalog und dann in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden“, erläuterte Nagel das mit CardioBBEAT verfolgte Ziel.

Das Projekt wird zu einem Drittel vom Bun­des­for­schungs­minis­terium für drei Jahre mit 1,1 Millionen Euro gefördert. Darüber hinaus beteiligen sich die Deutsche Angestellten-Krankenkasse, die Techniker-Krankenkasse und die Barmer GEK an dem Projekt. Industrielle Partner sind Philips Health-care und T-Systems.
Heike E. Krüger-Brand
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema