ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2010Patienten: Ausufernde Verwaltung
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Es ist schon erstaunlich, wenn nicht sogar erschütternd, dass so ein Artikel überhaupt geschrieben werden muss, ja dass man sich solche evidenzbasierten leitliniengerechten und qualitätsgesicherten Gedanken zum Arzt-Patienten-Verhältnis machen muss. Die Überlegungen gründen darauf, dass es auf beiden Seiten mehr und mehr angstverzehrt durch steigendes Misstrauen gesteuert ist.

Es liegt ein ärztliches Berufsleben hinter mir: Aufklärung des Patienten in für ihn verständlicher Weise, ihn in die Entscheidung zur Therapie mit hineinzunehmen und mit den eventuellen Folgen vertraut zu machen war immer . . . eine der ureigensten Aufgaben des Arztes. Angst abbauen und nicht an und mit ihr verdienen. Dieses Vorgehen – Vertrauen aufbauen – kann nicht in Paragrafen gefasst werden: Das individuelle Beziehungsgeflecht ist zu mannigfaltig.

Ich wünschte mir, die junge ärztliche Generation versteckte sich nicht hinter einer ausufernden Verwaltung, sondern begäbe sich wieder auf die humanistische Beziehungsebene, auch wenn sie manchmal das Risiko der juristischen Auseinandersetzung riskierte.

Wir werden überschwemmt mit Fragebögen, Aufklärungsbroschüren – manche Patienten können gar nicht richtig lesen, geschweige denn verstehen: „Was soll ich denn nun tun, Herr Doktor?“

Ein einfühlsames aufklärendes und vertrauensvolles Gespräch wiegt diesen Papierwust allemal auf. Dafür muss Zeit sein. Auch für das Einholen einer zweiten Meinung bei elektiven Eingriffen . . .
Dr. med. Peter Petersen, Diakoniekrankenhaus Seehausen, 39615 Seehausen
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