ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2010Randnotiz: Die Grenze des Erträglichen

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Randnotiz: Die Grenze des Erträglichen

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Die Grenze ist erreicht. Es gibt keine weiteren Wirtschaftlichkeitsreserven in den Krankenhäusern. Darauf hat erst kürzlich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hingewiesen. Und in der Tat: Dass die Kliniken im Geld schwimmen, glaubt wohl niemand, der sich ein bisschen auskennt. Doch hört man die Erzählungen so mancher Krankenhausärzte, wird man stutzig. Da gibt es Abteilungen, in denen ist es schon eine Wissenschaft für sich, einen Untersuchungstermin innerhalb des Hauses zu vereinbaren. Je nach Fachgebiet hat die Anfrage telefonisch, über das Computersystem oder mit einem Konsilschein zu erfolgen. Das Ganze ist selbstverständlich Aufgabe des Stationsarztes. Das Pflegepersonal hat sich nämlich für nicht zuständig erklärt, einen Stationssekretär oder Case Manager gibt es nicht.

Junge Assistenzärzte sind Wesen ohne Lobby. Ihren Urlaub nutzen sie mitunter, um mal in Ruhe ein paar Briefe wegzudiktieren. Interessant, was man so als erholsam empfinden kann. Nach ein paar Jahren Klinik hängt die Latte wohl ziemlich niedrig. Dass während der Dienstzeit Arbeit liegen bleibt, verwundert nicht. Schließlich müssen ja auch noch Diagnosen verschlüsselt, verschollene Akten besorgt und falsch beklebte Blutröhrchen korrigiert werden. Manche Ärzte heften Befunde ab oder besorgen Druckerpapier.

Es gibt immer noch unsinnige Arbeitsabläufe in Kliniken. Wer die angeht, kann sicherlich keine Millionen einsparen. Denn meist werden sie durch den Einsatz von Einzelpersonen ausgeglichen. Und das kostet nichts, weil deren Überstunden nicht bezahlt werden. Vernünftige Abläufe motivieren aber. Das ist dringend notwendig, denn für viele Ärzte ist die Grenze des Erträglichen erreicht.
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