ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2010Aussenseiterkunst: Markus Klepsch – Sieben farbige Köpfe

KUNST UND SEELE

Aussenseiterkunst: Markus Klepsch – Sieben farbige Köpfe

PP 9, Ausgabe Februar 2010, Seite 50

Schwarm, Thomas

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Der Künstler bleibt im intensiven Kontakt mit seinen Werken – bis sie ihm manchmal erst Jahre später etwas zurückgeben. Foto: Eberhard Hahne
Der Künstler bleibt im intensiven Kontakt mit seinen Werken – bis sie ihm manchmal erst Jahre später etwas zurückgeben. Foto: Eberhard Hahne
Markus Klepsch spricht von seinen Erfahrungen, als er erstmalig an einer Psychose erkrankte: „Ja – ich hab´ diese Kunst gefühlt, wie die in mir hochkam“. Im bildnerischen Ausdruck finden Exazerbationen ihr Äquivalent im beschleunigten Zeichentempo und sich Lösen von konventionellen Darstellungsformen.

Klepsch kultiviert diesen Zeichenstil. Alles erscheint in Bewegung, alles vibriert. Fliegende Striche umreißen Konturen, ungestüme Linien riskieren den Raum. Ein eigentlich ruhiges Motiv, mit statischen Objekten, durch Klepschs Hand gezeichnet, wird es energetisiert. Es entlädt sich fortan in knisternder Hochspannung. Manches Mal treibt er es an die Grenze, bis die Formen drohen sich aufzulösen, als bestünden sie nur noch aus Energie. Wenn es nicht dieser Wirbel farbiger Striche ist, dann sind es Farben von hoher Buntkraft, expressiv kontrastiert, perspektivische Verzerrungen, diagonal gekippte Vertikale.

Dies prägt all seine Bilder. Jeglichem seiner Werke scheint ein energieaufwendiges Ringen um die Balance der inneren Kräfte innezuwohnen.

Zeichnet Klepsch, wirkt es mühelos. Mit scheinbarer Leichtigkeit verdichtet er Linien und Farben zu einem Bild. Doch er ist dabei immer hochkonzentriert. Kunst ist für ihn auch ein innerer „Regulationsmechanismus“: Die Begrenzungen des Papierformats und die daraus resultierenden Einschränkungen beim Malen sind für ihn eine beständige Übung, mit Ausnahmezuständen umzugehen.

In der Arbeit „Sieben farbige Köpfe“ entsteht Spannung durch starke Farbigkeit, komplementäre Kontraste und Variationen der Größen im Motivaufbau. Die aneinandergerückten Gesichter umranken die orangefarbene Profilansicht. Sie scheinen aus diesem Kopf hervor- zuquellen. Sie vermitteln ein Gefühl von bedrängender Enge, schildern innere Zerrissenheit. Stumm ins Außen blicken die farbig hervorgehoben Augenpaare ohne Pupillen. Die Personen sind in einen inneren Dialog vertieft.

„Das war spontan in jedem Fall“, beschreibt Klepsch den kreativen Prozess, wenn er malt. „Ich denke mir nicht vorher aus, was es werden soll. Die Geister, die mich irgendwie rufen, die haben sich sozusagen im Bild verewigt, – die Geister, die ich rief!“

Klepsch bleibt im intensiven Kontakt mit seinen Bildern: „Wenn das Bild fertig ist, habe ich etwas weggegeben, was mich vielleicht belastet hat. [. . .] Manchmal dauert es Jahre, bis sie mir etwas wiedergeben. Die Bilder reifen außerhalb von mir, wie alter Wein.“
Thomas Schwarm
Diplom-Kunsttherapeut im Alexianer Krankenhaus, Münster
Ausgewählt vom Atelier Kunsthaus Kannen, www.kunsthaus-kannen.de
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