ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2010Randnotiz: Von Fliegen und Menschen

AKTUELL

Randnotiz: Von Fliegen und Menschen

Dtsch Arztebl 2010; 107(7): A-259 / B-227 / C-223

Zylka-Menhorn, Vera

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Fliegen und Menschen sind sich ähnlicher, als manch einer denkt – zumindest im Hinblick auf biochemische Mechanismen im Gehirn. Zu diesem Ergebnis kommt ein deutsch-australisches Forscherteam, das mit einer neu entwickelten Methode die Aufmerksamkeit von Fliegen messen kann. Bruno van Swinderen und Björn Brembs kombinierten genetische Methoden mit Gehirnmessungen und Verhaltenstests. Die Biologen fanden dabei verschiedene Mutationen, die die Aufmerksamkeit der Fliegen entweder erhöhten oder verringerten.

Van Swinderen entdeckte mit dem genetischen Taufliegen-Modellsystem Drosophila melanogaster, dass der Grad der Ablenkbarkeit der Tiere fein darauf abgestimmt ist, das richtige Verhalten in der richtigen Situation zu zeigen: „Wir haben eine Fliegenmutante mit Gedächtnisverlust, die kaum von einer Aufgabe abzulenken ist, und eine, die sich zu leicht ablenken lässt. Für beide hat das die gleichen Folgen: Lernprobleme – aber aufgrund von völlig unterschiedlichen Ursachen, ganz ähnlich wie Menschen mit Autismus oder Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS).“

Die Fliegen wurden mit Methyl-phenidat (Ritalin) gefüttert, das Patienten mit ADHS verordnet wird. Dabei beobachteten die Forscher, dass die Behandlung bei Fliegen ähnliche Effekte hatte wie beim Menschen: Es half den weniger aufmerksamen Fliegen, sich auf visuelle Reize zu konzentrieren. „Diese überraschenden Parallelen zwischen Insekten und Menschen könnten ein Hinweis darauf sein, dass es ganz fundamentale Grundprinzipien gibt, nach denen alle Gehirne funktionieren“, so die Forscher.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema