ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2010Brustkrebsmarker sollen Übertherapie vermeiden

AKTUELL: Akut

Brustkrebsmarker sollen Übertherapie vermeiden

Dtsch Arztebl 2010; 107(7): A-260 / B-228 / C-224

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Noch immer erhalten circa 80 Prozent aller Brustkrebspatientinnen mit einem nodal-negativen Brusttumor eine Chemotherapie, obwohl dies nur bei etwa 30 Prozent der Patientinnen dieser Gruppe notwendig wäre. Der Grund: Es ist unbekannt, welche Patientinnen zu den 30 Prozent mit einem hohen Rückfallrisiko gehören. Diese Frage soll in Zukunft durch die molekularpathologische Analyse des Tumorgewebes beantwortet werden, um das Problem der Übertherapierung zu lösen.

Im genetischen Profil des Tumors stecke genügend Information über dessen Aggressivität und damit über das Rückfallrisiko der individuellen Patientin, sagt Prof. Dr. med. Edgar Dahl (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen). Die Arbeitsgruppe hat in Biopsien von etwa 300 Brusttumoren mehrere Gene gefunden, deren Aktivität im Tumor verloren geht. Ein von Dahl neu kloniertes Tumorsuppressorgen mit dem Namen ITIH5 ist offenbar sehr wichtig für die Vorhersage der Heilungschancen von Patientinnen mit nodal-negativen Brusttumoren. Kann noch ITIH5 im Gewebe nachgewiesen werden, haben die Frauen ein geringes Rückfallrisiko und daher eine sehr gute Prognose, so das Ergebnis der Analysen. Tumormarker wie das Gen ITIH5 werden in der modernen Behandlung von Krebspatienten immer wichtiger; allerdings stehen deren systematische Analyse und die Anwendung in der Klinik noch in den Anfängen.

Den Forschern kommt bei ihren Analysen aber zugute, dass Gene sehr stabil sind. Bei entsprechender Lagerung lassen sie sich auch noch nach Jahren analysieren. Die sorgfältige und sachgemäße Aufbewahrung von Tumorgeweben in Tumorbanken habe fundamentale Bedeutung für eine effiziente Krebsforschung und die künftige Behandlung der Patienten, sagt Dahl.

Sein Team forscht auch an einer neuen Methode zur Früherkennung von Brustkrebs mittels Blutuntersuchung. „Dies ist technisch möglich, weil Tumoren kleinste Mengen an DNS ins Blut abgeben und wir somit die genetischen Veränderungen im Tumor mit hochsensitiven Methoden im Blut nachweisen können“, so der Forscher. Die Arbeitsgruppe hat sich auf Veränderungen in der DNS-Methylierung spezialisiert. Dies ist eine natürlich vorkommende chemische Veränderung an der DNS, die zum Abschalten von Tumorsuppressorgenen führen kann. Das Team um Dahl untersucht, ob verschiedene DNS-Methylierungsmarker dazu geeignet sind, Brustkrebs im Blut zu entdecken. Die ersten Ergebnisse sind offenbar vielversprechend. nsi
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema