ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2010Endoprothesenregister: Das Register muss kommen

MEDIZINREPORT

Endoprothesenregister: Das Register muss kommen

Dtsch Arztebl 2010; 107(7): A-270 / B-240 / C-236

Menk, Janika

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Künstliche Hüftgelenke sollten 15 bis 20 Jahre halten. Foto: bvmed
Künstliche Hüftgelenke sollten 15 bis 20 Jahre halten. Foto: bvmed
Um die Patientensicherheit zu erhöhen und die Kosten zu senken, fordern die orthopädischen Fachgesellschaften erneut, verpflichtend ein Register für alle Endoprothesenoperationen in Deutschland einzurichten.

Bereits 2009 legte die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung dem Gemeinsamen Bundes­aus­schuss ein vollständiges Konzept vor, wie ein nationales Endoprothesenregister einzurichten sei. Bisher aber hat man sich nicht einigen können: Obwohl die meisten Beteiligten (Krankenkassen, Hersteller, medizinische Fachgesellschaften) für ein verpflichtendes Register plädieren, stehen Einzelinteressen gegen den Konsens. „Alle wesentlichen Spieler sitzen im Boot und warten“, erklärt Prof. Dr. med. Hartmut Siebert, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie.

Repräsentative Daten fehlen
Schon jetzt müssen die Endoprothesen zwar mittels einer Barcodeschnittstelle in der Klinik registriert werden, die Daten werden jedoch nicht zusammengetragen, so dass der Gesamtüberblick fehlt. Weitere Daten wurden bisher nur regional und auf freiwilliger Basis erhoben. Da die Register fakultativer Natur sind, ist das Datenaufkommen eher gering und nicht repräsentativ. „Deshalb ist ein verpflichtendes Register so wichtig“, betont Prof. Dr. med. Joachim Hassenpflug, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und Beauftragter dieser Gesellschaft für das Endoprothesenregister. Es soll die Daten von jeder eingebauten und gewechselten Endoprothese zusammen mit den klinischen Daten ihrer Träger erfassen und über viele Jahre hinweg verfolgen. In einem zweiten Schritt soll dann die Meinung des Patienten zum Erfolg des Eingriffs dokumentiert werden. „Subjektive Wohlfühlfaktoren der Patienten spielen eine Rolle, wenn sie mit harten Fakten verknüpft werden“, so Siebert.

Der Zweck eines Endoprothesenregisters liege letztendlich darin, die Tragdauer der eingesetzten Implantate auf 15 bis 20 Jahre zu erhöhen, sagt Hassenpflug. Zudem soll jeder Patient in Zukunft möglichst genau über die Risiken aufgeklärt werden. Bisher ist das kaum möglich, da die Hersteller der Endoprothesen lediglich die physikalischen Eigenschaften testen – wie verträglich und wie lange die Prothesen aber in der Regel im Einsatz sind, darüber gibt es keine aussagekräftigen Daten. Das Versagen dauerhafter Implantate zählt zu den führenden Schadensfällen in der Orthopädie und der Unfallchirurgie. In den Jahren 2000 bis 2002 waren dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zufolge 290 Patienten betroffen, die Dunkelziffer ist mit geschätzten 400 bis 500 Leidtragenden pro Jahr aber vermutlich weitaus höher.

Zu viele Revisionen
Noch viel häufiger als Schadensfälle sind Revisionen. Von 390 000 jährlich eingesetzten Knie- und Hüftprothesen wurden im Jahr 2008 35 000 gewechselt. Siebert warnt: „Fehler zu machen ist menschlich, nicht daraus zu lernen, ist tödlich.“ Seiner Einschätzung nach könnten die Revisionsrate und die Dunkelziffer durch ein Endoprothesenregister deutlich verringert werden.

Neben dem verhinderten Leid kann die Reduktion der Wechseleingriffe Hassenpflug zufolge auch Kosten sparen. Er rechnet bereits im dritten Jahr des Registers mit Einsparungen von 45 Millionen Euro – Tendenz steigend. Demgegenüber schätzt er die zusätzlichen Kosten durch das Register auf circa 100 000 Euro pro Jahr. „Das Register muss kommen – so schnell wie möglich“, folgert Hassenpflug. In anderen Ländern wie der Schweiz und in Nordeuropa gebe es bereits verbindliche Register, die von Erfolg gekrönt seien. Auch ein europäisches Register sei geplant, welches auf das geplante deutsche Verzeichnis zugreifen soll.
Janika Menk

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