ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2010Medizin und Ökonomie: Der Mensch als Subjekt

MEDIEN

Medizin und Ökonomie: Der Mensch als Subjekt

Dtsch Arztebl 2010; 107(7): A-285 / B-251 / C-247

Klinkhammer, Gisela

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Spielt der Mensch in der nach ökonomischen Gesichtspunkten strukturierten Medizin heute überhaupt noch eine Rolle? Diese Frage stellen die Autoren des Buchs, in dem sie zu einem recht pessimistischen Ergebnis kommen. Sie vertreten nämlich die Ansicht, dass „die Medizin den Menschen als Subjekt in einem bisher nicht gekannten Maße ausblendet oder auch ausblenden muss“. Sie beklagen zudem sicher nicht zu Unrecht, dass Gesundheit zunehmend in den Rang eines „religiösen“ und „letzten“ Wertes erhoben wird, der sogar den Sinn des Lebens selbst ausmachen soll. Ziel der Medizin ist demnach die Bekämpfung oder gar Besiegung des Todes. Doch dieses Menschenbild halten der Theologe Ulrich Eibach und die Mediziner Santiago Ewig und Klaus Zwirner für hinterfragenswert. Ihrer Auffassung nach sollte der Arzt in kirchlichen Krankenhäusern – und wohl nicht nur dort – zwar durchaus Kämpfer gegen die Krankheit, gleichzeitig aber auch fähig sein, den Tod anzunehmen und sich nicht als Herrn über Leben und Tod zu betrachten. Das Buch konzentriert sich allerdings nicht nur auf die „Krise der Ziele der Medizin“, sondern setzt sich unter anderem auch mit der Frage auseinander, wie der Mensch unter den Bedingungen eines nach marktwirtschaftlichen Kriterien geführten Krankenhauses noch als Subjekt wahrgenommen werden kann.

Zwar ist es fraglich, ob die Autoren mit ihrer eher düsteren Analyse des Krankenhauswesens nicht doch zu schwarz sehen. Dennoch ist es wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Gesundheit nicht zum Produkt der eigenen Lebensgestaltung sowie der gegebenen medizinischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten werden darf, und Wege aufzuzeigen, wie Krankenhäuser dem Spannungsverhältnis zwischen Ökonomie und Humanität gerecht werden können.
Gisela Klinkhammer

Ulrich Eibach, Santiago Ewig, Klaus Zwirner: Medizin, Ökonomie und der kranke Mensch. Verlust des Menschen als Subjekt und der Auftrag kirchlicher Krankenhäuser. Lambertus, Freiburg 2009, 127 Seiten, 16 Euro
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema