ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2010Börsebius: Hellas am Abgrund

GELDANLAGE

Börsebius: Hellas am Abgrund

Dtsch Arztebl 2010; 107(7): A-296 / B-260 / C-256

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LNSLNS Verkürzt gesagt hängt das Wohl und Wehe Europas möglicherweise davon ab, ob griechische Droschkenkutscher nichtmanipulierbare Taxameter einbauen oder ob Restaurantbesitzer und Marktleute überhaupt Registrierkassen einführen. Den Betroffenen ist, so scheint es, ihre übergroße Verantwortung um die Zukunft der Währungsgemeinschaft ziemlich schnurz. Massenhaft zogen sie dieser Tage durch die Straßen, um gegen die Sparpläne der Regierung zu bocken.

Dabei ist es in Griechenland längst fünf Minuten nach zwölf. Die Gemengelage aus Korruption und Schwarzarbeit, aus Vetternwirtschaft und organisierter Begünstigung hat zu einer bedrohlichen Zerrüttung der Staatsfinanzen geführt, nur abrupte Bremsmanöver können den fast unausweichlichen Bankrott aufhalten. So war die Meinung und genauso drastisch reagierten die Märkte, will heißen, der Euro kam unter die Räder und die Aktienmärkte brachen im Januar um gut zehn Prozent ein.

Wie gut, dass die Europäische Kommission einen Plan A in der Schublade hatte, um das Heft des Handelns an sich zu reißen. Das laufende Defizitverfahren gegen Griechenland wurde drastisch verschärft und der griechische Haushalt unter EU-Kuratel gestellt.

Die Athener Regierung verkündete auch brav Sparbeschlüsse, Einführung von Taxamatern und Registrierkassen, siehe oben, und eine rund zehnprozentige Gehaltskürzung für die Staatsbeamten, die sich dann auch erbost den Demonstrationen anschlossen.

Die Märkte reagierten auf die Peitsche erfreut und mit steigenden Kursen, doch dauerte die Euphorie nur wenige Tage, um dann auch getrost wieder in sich zusammenzufallen. Die Griechen würden – wie immer – Mittel und Wege finden, Lug hin, Trug her, um dem alten Schlendrian zum Sieg zu verhelfen.

Also muss jetzt Plan B her. Der kann nur lauten: Europa hilft Griechenland mit Geld und gleichzeitig intensiver Kontrolle. Die Verabreichung von Geldspitzen war ja politisch lange umstritten, es würden der Disziplinlosigkeit anderer Staaten nur Tür und Tor geöffnet. Richtig ist an dieser Meinung schon, dass nur Kapitalhilfe alleine von den Finanzmärkten als Ausweis der Hilflosigkeit angesehen würde und es ein gefundenes Fressen wäre für die Spekulanten, gegen den Euro zu wetten. Es muss also schon so sein, dass es nur Geld gegen Kontrolle und Einführung schärferer Regeln (Schuldenbremse) gibt.

Warum das alles? Obwohl die Wirtschaftsleistung Griechenlands in der Eurozone nur mal drei Prozent beträgt, so ist doch ein Flächenbrand für den Fall des Scheiterns nicht auszuschließen. Mit Portugal, Spanien und Irland, Italien sowieso, gibt es in der EU noch genügend Wackelkandidaten. Hellas am Abgrund darf uns nicht kaltlassen, steht doch Europas Zukunft auf dem Spiel.
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