Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Leserzuschrift bestätigt unsere im Artikel gewählte Formulierung „Je nach operativem Zentrum wird die Wertigkeit dieses Eingriffs . . . sehr kontrovers eingeschätzt“.

Dies hat die American Academy of Ophthalmology bewogen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die nach evidenzbasierten Grundsätzen im Jahre 2001 die Indikationen für die Laserzyklophotokoagulation präzisieren sollte (1).

Empfohlen wird danach eine Laserzyklophotokoagulation bei gescheiterter Filtrations- beziehungsweise Glaukomimplantatchirurgie, bei fehlender Sehfunktion und Bedarf einer Drucksenkung – zum Beispiel wegen Schmerzen –, und bei Patienten, die sich anderen Eingriffen (zum Beispiel Filtrationschirurgie oder Glaukomimplantat) verweigern oder die für diese Eingriffe aus anderen Gründen (zum Beispiel schlechter Allgemeinzustand) nicht in Frage kommen.

Ausdrücklich verweist diese Arbeitsgruppe der American Academy of Ophthalmology auf die fehlende Evidenz der publizierten Daten hin, einzelne Modifikationen der Laserzyklophotokoagulation bewertend miteinander vergleichen zu können.

Dies gilt zum jetzigen Zeitpunkt auch für die erwähnte Modifikation der kontrollierten Zyklophotokoagulation.

Vollkommen unstrittig sind die Verdienste von Herrn Preussner, insbesondere in medizinisch massiv unterversorgten Regionen der Entwicklungsländer den behandelnden Ärzten mit einem speziell an die stark pigmentierten Patienten angepassten kontrollierten Lasersystem überhaupt ein Mittel zur operativen Glaukombehandlung an die Hand zu geben.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0140b

Prof. Dr. med. Thomas S. Dietlein
Zentrum für Augenheilkunde
Universität zu Köln
Kerpener Straße 62
50937 Köln
E-Mail: Thomas.Dietlein@uk-koeln.de


Interessenkonflikt
Die Autoren beider Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Pastor SA, Singh K, Lee DA, et al.: Cyclophotocoagulation. A report by the American Academy of Ophthalmology. Ophthalmology 2001; 108: 2130–8. MEDLINE
2.
Dietlein TS, Hermann MM, Jordan JF: The medical and surgical treatment of glaucoma [Medikamentöse und chirurgische Therapie des Glaukoms]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 597–606. VOLLTEXT
1. Pastor SA, Singh K, Lee DA, et al.: Cyclophotocoagulation. A report by the American Academy of Ophthalmology. Ophthalmology 2001; 108: 2130–8. MEDLINE
2. Dietlein TS, Hermann MM, Jordan JF: The medical and surgical treatment of glaucoma [Medikamentöse und chirurgische Therapie des Glaukoms]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 597–606. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #663089
HansB.
am Samstag, 2. März 2013, 15:32

Die Zyklophotokoaguation ist die gefährlichste Glauomoperation

Guten Tag,
fast alle internationalen Studien zu diesem Thema kommen zu dem Ergebnis, dass eine CPC (so wird die OP international abgekürzt) nur bei Glaukom im Endstadium und an blinden oder fast blinden Augen zur Reduzierung der Schmerzen durch zu hohen Druck durchgeführt werden sollte. Nur in Deutschland scheint man von diesen Studien und Empfehlungen wenig Kenntnis zu nehmen, wahrscheinlich weil die meisten Studien auf Englisch verfasst wurden.
Die CPC zerstört die Hornhaut (hier ist besonders der CoCo-Laser gefährlich), sie ist unkontrollierbar, denn mit keinem Laser kann man das Operationsgebiet einsehen, sie führt zur Verformung der Pupille, die meistens in einer mittelgroßen Position verbleibt und nicht mehr auf Licht reagiert, sie führt zur Katarakt in mehr als 90% aller Fälle innerhalb weniger Wochen, sie kann schwere Netzhautschäden durch die umherspritzende giftige Substanz aus dem Ziliarkörper hervorrufen. Es wurde hier ja schon darauf hingewiesen, dass bei allen Lasern die Pop-Effekt Rate gut 10% beträgt. Da normalerweisen mindestens 12 Applikationen bei einer CPC-Operation durchgeführt werden, gibt es also mindestens einen Pop-Effekt pro Operation.
Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Visus in 85% aller Fälle reduziert, und zwar durchschnittlich um 70%. Die Reduzierung ist sofort nach der OP spürbar und schreitet in den nächsten Monaten unaufhaltsam fort. Der Sehnerv stirbt in vielen Fällen ab (snuff-out), wobei man hier den Mechanismus noch nicht ganz durchschaut hat.
Bevor Sie hier Ihren Laser so überschwänglich loben, sollten Sie sich lieber genau informieren. Sie weisen ja schon erfreulicherweise auf die Aussagen amerikanischer Augenärzte hin, aber Sie erliegen hier einem großen Irrtum, wenn Sie glauben, Ihr Laser könne die gravierenden Nebenwirkungen dieser Operation überwinden.
Meine Frau wurde vor 1 Jahr mit dem CoCo Laser operiert, zum Glück nur an einem Auge. Sie hat nur noch einen Visus von unter 1%, vorher hatte sie 100%. Sie hat ständig unerträgliche Schmerzen, sie beschreibt sie als wenn man ihr ins Auge schießen und glühende Kohlen ins Auge drücken würde. Jetzt endlich seit einem Monat bekommt sie Morphium. Die Schmerzen sind dadurch etwas erträglicher geworden, aber die meiste Zeit des Tages schläft sie. Sie ist 48 Jahre alt, die CPC hat ihr Leben zerstört.
Avatar #662404
Clauddi
am Montag, 18. Februar 2013, 12:36

Sie haben Recht

Hallo,
Sie haben auf der ganzen Linie Recht.
Auch mein Augenlicht , auch im rechten Auge, wurde durch eine Zyklophotokoagulation zerstört. Das Auge musste zwar (noch nicht) entfernt werden, aber das Augenlicht ist weg, ich kann nur noch hell und dunkel unterscheiden, die Sehkraft ist null. Vorher hatte ich 100% Sehvermögen. Die Operation war vor zwei Jahren, aber noch heute muss ich des öfteren starke Schmerzmittel nehmen. Sobald es draußen sehr kalt ist (unter null) oder wenn die Sonne scheint gehen die Schmerzen wieder los. Ich trage immer eine Sonnenbrille, auch wenn ich am Computer sitze. Ich kann nur noch halbtags arbeiten, Autofahren darf ich auch nicht mehr.
Wie geht es Ihrer Mutter? Kommt sie mit dem einen Auge zurecht? Hat sie noch Schmerzen? Sagen Sie ihr, dass sie nicht allein ist. Man müsste eine große Initiative deutschlandweit starten, um auf die Gefahren der Zyklophotokoagulation aufmerksam zu machen.
Ich leite eine Selbsthilfegruppe für Glaukomkranke und kenne drei Leute, die durch diese Operation ihr Augenlicht ganz oder teilweise verloren haben. Ein Herr hatte viermal diese OP an einem Auge, von seinem Ziliarkörper ist praktisch nichts mehr nach. Trotzdem ist der Druck zu hoch. Er hat wahnsinnige Schmerzen und steht ständig unter starken Schmerzmitteln.
Alles Gute für Ihre Mutter.
Avatar #650711
Christi7
am Sonntag, 17. Februar 2013, 18:42

Endlich

Hallo,
endlich wird hier einmal auf die Gefahren der Zyklophotokoagulation hingewiesen. Wenn ich in einem anderen Beitrag von Prof. Preußner lese, dass aufgrund der praktisch nicht vorhandenen Komplikationen beide Augen auf einmal einer Zyklophotokoagulation unterzogen werden können, so möchte ich am liebsten aufschreien. Wie kann überhaupt ein Arzt eine solche Aussage machen, wo überall in der Welt die Foren im Internet voll sind von Beiträgen von Menschen, die Teile ihres Augenlichtes oder das gesamte Augenlicht durch diese Operation verloren haben? In den USA darf dieser Eingriff nur vorgenommen werden an einem Auge, das weniger als 20/200 Sehkraft hat, also weniger als 10% und auch nur, wenn das andere Auge mehr Sehkraft besitzt. Der CoCo Laser ist genau so gefährlich wie andere Laser, weil die Operation selber gefährlich ist. Es gibt auch nur noch wenige Kliniken, die mit dem CoCo Laser arbeiten, soweit ich weiß gibt es außer Mainz nur noch zwei andere Kliniken, wo dieser Laser verwendet wird, und es gibt viele Kliniken, die überhaupt keine Zyklophotokoagulationen mehr durchführen.
Ärzte sollten ihre Patienten befragen, bevor sie die Harmlosigkeit eines Eingriffes propagieren, der hunderte von Patienten ihres Augenlichtes beraubt hat. Meine Mutter, 59 Jahre, verlor durch diesen Eingriff nicht nur ihr Augenlicht, sonden ihr rechtes Auge. Es war durch die Zyklophotokoagulation so zerstört worden,dass es enukleiert werden musste.
Avatar #662404
Clauddi
am Freitag, 15. Februar 2013, 11:03

Kontrollierte Zyklophotokoagulation

Die Empfehlungen der American Academy of Ophthalmology kann man nur unterstreichen. In den USA werden diese Empfehlungen auch von allen Augenärzten befolgt mit dem Ergebnis, dass durch eine Zyklophotokoagulation den Patienten dort nur sehr selten Schaden zugefügt wird.
Ganz anders in Deutschland, wo dieser Eingriff auch bei Patienten mit noch sehr gutem Sehvermögen und nur geringen Glaukomschäden oder sogar als vorbeugende Maßnahme bei okulärer Hypertension vorgenommen wird.
Ob es sich dabei um einen herkömmlichen zyklodestruktiven Eingriff handelt oder um einen kontrollierten Eingriff mit dem CoCo Laser, ist dabei wenig bedeutsam.
Die Bezeichnung 'destruktiv' ist dabei völlig gerechtfertigt, denn es wird Gewebe zerstört, z. T. in erheblichem Maße.
Beiden Laserverfahren ist gemeinsam, dass sie zu erheblichen Seheinbußen beim Patienten führen und in einigen Fällen sogar zum vollständigen Verlust des Augenlichtes. Mir sind zwei solcher Fälle bekannt.
Der Eingriff mit dem CoCo Laser ist nicht etwa besoners schonend. Der Laserstrahl muss, damit seine Energie gemessen werden kann, auf den Augenhintergrund, also auf die Netzhaut, gerichtet und von dort reflektiert werden. Dazu muss er auf einen Punkt in der Netzhaut fokussiert werden. Sie schreiben an anderer Stelle, das Licht wird dabei gestreut. Das geschieht nur in geringem Maße, der Laserstrahl muss fokussiert werden, denn gestreutes Licht kann nicht reflektiert und schon gar nicht korrekt gemessen werden.
Außerdem benötigt der CoCo Laser neben dem eigentlichen Laser, der das Gewebe koaguliert, ein weiteres Gerät, das die Energie misst und dabei erfahrungsgemäß Schäden an der Hornhaut hervorruft. In einem mir bekannten Fall hat sich die Hornhaut gelöst und teilweise aufgerollt, was zu unerträglichen Schmerzen führt.
Der CoCo Laser wurde unter anderem entwickelt, um sog. 'Pop-Effekte' zu vermeiden, wobei der Ziliarkörper nicht koaguliert wird, sondern sozusagen explodiert und die in den Zotten des Ziliarkörpers enthaltene toxische Substanz ins Auge geschleudert wird und Schaden anrichten kann. Bei den herkömmlichen Lasern liegt diese Komplikation bei ca. 10%, und beim CoCo Laser liegt sie ebenfalls bei 10%.
Der CoCo Laser weist gegenüber herkömmlichen Lasern also zumindest in Ländern mit weißer Bevölkerung keinerlei Vorteile, sondern eher Nachteile auf.
Es ist anerkennenswert, dass sich Prof. Preußner um die Glaukombehandlung von Menschen in Entwicklungsländern bemüht. Ob sein Laser dort bessere Erfolge vorweist als herkömmliche Laser ist noch nicht untersucht worden.
Abschließend muss man wohl feststellen, dass das zyklodestruktive Verfahren in der Glaukomchirurgie ein Irrweg ist, außer in den von der American Academy of Ophthalmology genannten Fällen. Es führt viel zu oft zu schweren, irreversiblen Sehbeeinträchtigungen und selbst zu Blindheit.

Fachgebiet

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema