ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2010Randnotiz: Gestern im ICE

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Randnotiz: Gestern im ICE

Dtsch Arztebl 2010; 107(8): A-307 / B-271 / C-267

Rutz, Andreas

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LNSLNS Leipzig, Freitag, . . . 2010: Abfahrt Richtung Wiesbaden. Ja, der Platz mir gegenüber ist noch frei. Mein Mitreisender ist sehr beschäftigt, wir wechseln keine weiteren Worte. Herr Rechtsanwalt F. mit Fahrziel S. stellt sich nicht vor. Er reist mit mobilem Büro. Seine Identität erfahre ich durch seine Telefonate. Ferner: Der Termin vor dem Arbeitsgericht, von dem er jetzt nach Hause fährt, verlief zufriedenstellend, der betreffende Arbeitnehmer wird seine bisherige Firma zum . . . 2010 verlassen. Vor der Erörterung weitläufiger Einzelheiten in der Sache der Mandantin Frau Sch. vergisst Herr F. nicht, zum Tode ihres Gatten zu kondolieren („Von Herrn B. habe ich erfahren, was vorgefallen ist . . .“). Dazwischen Diktate und Terminabsprachen mit dem Büro daheim. Schließlich vertieft sich mein Gegenüber in die „Neue Juristische Wochenschrift“.

Ein Einzelerlebnis? Leider nein: Abgehetzt, mit schwerem Gepäck, steigt eine Dame in Frankfurt/Main in den Zug nach München. Sie offenbart sich als Kollegin, als Ärztin. Kaum ist der Zug über den Main, steht die Handyverbindung zur Praxis, und es werden letzte Anweisungen für die Zeit der Abwesenheit der Chefin durchgegeben einschließlich Abrechnungsmodalitäten en detail – unter voller Namensnennung! Hier kann ich nicht an mich halten und schiebe der Dame einen Zettel zu. Sie antwortet schnippisch und hilflos.

Dass mit der neuen Technologie unbedacht und unbekümmert umgegangen wird, dass ich allüberall akustischem und optischem Müll ausgesetzt bin, damit muss ich mich abfinden. Bestürzend jedoch und nicht hinzunehmen ist der geschilderte Umgang mit sensiblen Daten von Mandanten (mandare, lateinisch: vertrauen) beziehungsweise Patienten durch Personen, die es wirklich besser wissen müssten.

Rutz ist niedergelassener Arzt in Lollar.
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