ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2010Berufsunfähigkeit: Keine Ausnahme
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Die Autorin differenziert leider nicht und ignoriert die fundamentalen Unterschiede zwischen staatlichem Sozialversicherungssystem und Privatversicherungen.

Die Privatversicherung basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit: Der Einzelne entscheidet frei darüber, ob, wann und gegen welche Risiken und in welcher Höhe er Versicherungsschutz nachfragt. Voraussetzung für das Funktionieren des Systems der privaten Versicherung sind dabei risikoäquivalente Preise, das heißt, der Preis für Versicherung muss sich nach dem jeweiligen Risiko richten. Private Versicherungen sichern nur Risiken ab, deren Eintritt ungewiss ist. Daher kann das Risiko – im Gegensatz zu Sozialversicherungen – nur dann versichert werden, wenn der Versicherungsfall noch nicht eingetreten ist. So kann jemand, der aufgrund einer schweren Erkrankung bereits berufsunfähig ist, keine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr abschließen . . .

Darin unterscheidet sich die private Versicherung von Umlagesystemen wie der gesetzlichen Rentenversicherung oder der staatlichen Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

In der privaten Versicherung zahlt jeder einen Beitrag, der nach seinem Alter und Geschlecht, seiner beruflichen Tätigkeit (in der Regel gibt es verschiedene Berufsgruppen) und seinem gesundheitlichen Risiko ermittelt wird. Würden derartige Unterscheidungen nicht gemacht werden, bestünde die Gefahr, dass bevorzugt Risiken mit überdurchschnittlich hoher Eintrittswahrscheinlichkeit des Versicherungsfalls versichert werden . . .

Es entstände ein sich selbst verstärkender Prozess, der Versicherungsschutz immer stärker verteuert, so dass am Ende große Teile der Bevölkerung sich diese Absicherung nicht mehr leisten können.

Die gesundheitliche Risikoprüfung läuft bei allen Erkrankungen gleich ab. Es werden alle Vorerkrankungen und Unfallfolgen berücksichtigt, die für eine vorzeitige Invalidität relevant sind. Psychische Erkrankungen bilden hier keine Ausnahme. Das heißt, der Verlust eines Auges bei einem Unfall wird genauso beachtet wie eine lange psychische Erkrankung. Auch der Rückfragezeitraum von fünf oder zehn Jahren bezieht sich auf alle und nicht nur auf bestimmte Krankheiten . . .

Ausschlüsse bei der Berufsunfähigkeitsversicherung betreffen also nur eine bereits bekannte beziehungsweise eingetretene Erkrankung. Die Behauptung, die am Markt befindlichen Produkte würden pauschal Krankheiten oder Diagnosegruppen ausschließen, ist ebenfalls nicht korrekt. Ausschlüsse werden immer individuell auf der Grundlage einer Einzelfallprüfung vergeben, wenn eine Vorerkrankung, wie beispielsweise der oben angeführte Verlust eines Auges, vorliegt und keine Alternative möglich ist.

Zum Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass regelmäßig empfohlen wird, sich im Leben so früh wie möglich zu versichern. Je jünger man ist, desto gesünder ist man in der Regel. Dann bekommt man Versicherungsschutz zu günstigen Konditionen und ganz ohne Ausschlüsse oder andere Beschränkungen.
Dr. med. Martin Pollak, Gesellschaftsarzt für die Gothaer Lebensversicherung AG, 37083 Göttingen
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