ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2010Urologie: Überaktive Blase auch beim Mann

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Urologie: Überaktive Blase auch beim Mann

Dtsch Arztebl 2010; 107(8): A-347

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Symptomatik des Harndrangs kann mit Anticholinergika therapiert werden, wenn keine Obstruktion der Harnwege vorliegt.

Miktionsprobleme beim älteren Mann sind zwar häufig, aber keineswegs immer kausal durch eine benigne Prostatahyperplasie (BPH) bedingt. Die irritative Symptomatik – das wichtigste Motiv für den Arztbesuch – kann auch beim Mann durch eine „überaktive Blase“ verursacht sein. Deshalb haben Anticholinergika neben Alphablockern und 5-Alpha-Reduktasehemmern (5-ARI) in den neuen Leitlinien der Europäischen Urologengesellschaft für nichtneurogene Blasen- und Harnwegssymptome einen festen Platz erhalten.

Bereits seit längerem ist akzeptiert, dass der Grad von obstruktiven und irritativen Beschwerden bei Männern, die über Symptome des unteren Harntrakts klagen (male LUTS, Lower Urinary Tract Symptoms), nicht mit dem Volumen der Prostata und dem Ausmaß der Obstruktion korrelieren müssen. Und: „Nicht obstruktive Beschwerden, sondern Pollakisurie, Nykturie und imperativer Harndrang als irritative Symptome treiben den Mann zum Arzt“, erklärte Priv.-Doz. Dr. med. Christian Hampel (Mainz). Sei keine Obstruktion zu objektivieren, könne die Drangsymptomatik – analog zum gängigen Vorgehen bei der Frau – mit Anticholinergika behandelt werden.

Zu beachten ist für den Urologen dabei allerdings das Nebenwirkungsspektrum der verschiedenen Antimuscarinika: Da es sich um ältere Männer mit teilweise „fragiler kognitiver Leistung“ handelt, ist ein Präparat vorzuziehen, das möglichst wenig mit den M1-Rezeptoren im Gehirn interagiert – etwa Darifenacin (Emselex®).

Beim Verdacht auf eine obstruktive Begleitkomponente (verminderter Harnflow oder Restharn) besteht dagegen beim Einsatz von Anticholinergika die Gefahr, dass sich die Obstruktion verstärkt. Bei Männern mit hohem Progressionsrisiko blieben Alphablocker und 5-ARI nach wie vor erste Wahl, so Prof. Dr. med. Christian Stief (München).

Anticholinergika haben bei der Therapie der überaktiven Blase der Frau seit langem einen festen Platz. Die lokale Hormontherapie mit Estriol ist etabliert bei postmenopausalen Frauen mit urogenitalen Symptomen auf dem Boden atrophischer Veränderungen. Ob ein Testosteronmangel bei der Entstehung oder Therapie von „männlichen LUTS“ eine Rolle spielt, ist ungeklärt.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Bayer-Pressekonferenz „BPH gibt es nicht mehr! Behandlungsmöglichkeiten von ,male LUTS‘ mit Anticholinergika“ beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Dresden
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