ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2010Streit mit Patientin wegen eines fehlerhaften Berichts

RECHTSREPORT

Streit mit Patientin wegen eines fehlerhaften Berichts

Dtsch Arztebl 2010; 107(8): A-359 / B-319 / C-311

Berner, Barbara

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LNSLNS Um als berufsunwürdig zu gelten, muss ein ärztliches Fehlverhalten einen gewissen Schweregrad erreichen. Darauf hat das Landesberufsgericht für Ärzte in Stuttgart hingewiesen. Die Klägerin war zur Tumorsuche in ein Klinikum gekommen; ein Befund hatte sich nicht ergeben. Im abschließenden Bericht heißt es über die von einem Oberarzt vorgenommene abdominelle Sonographie: „Konkrementfreie Gallenblase ohne Wandverdickung“. Die Gallenblase der Patientin war jedoch schon sieben Jahre zuvor in derselben Klinik entfernt worden. Das Abschlussgespräch bei der Entlassung der Patientin führte der beschuldigte Arzt, der an der Ultraschalluntersuchung nicht teilgenommen hatte. Ihn wies die Patientin darauf hin, dass die Beschreibung bezüglich der Gallenblase fehlerhaft sei. Nach Rücksprache mit dem untersuchenden Arzt verfasste er einen entsprechend geänderten Abschlussbericht. Neu wurde darin eine „depressive Verstimmung“ angegeben und eine „psychosomatische Mitbehandlung“ empfohlen. Es kam daraufhin zu einem heftigen Streit, in dem die Patientin hartnäckig darauf bestand, auch den Ultraschallbericht zu erhalten, der ihr nach einer gewissen Zeit auch ausgehändigt wurde.

In dem berufsgerichtlichen Verfahren warf die Patientin dem Arzt vor, er habe ihr den fehlerhaften Bericht zunächst vorenthalten. Zudem habe er ihn aus Rachsucht verändert. Das Verfahren wurde eingestellt; dagegen legte die Patientin Rechtsmittel ein.

Das Verhalten des beschuldigten Arztes ist nach Auffassung des Gerichts insoweit zu beanstanden, als er sich zunächst geweigert hatte, den Bericht zurückzugeben. Auch konnte die Aufnahme der Diagnose „depressive Verstimmung“ den Eindruck erwecken, hier handele es sich um eine Reaktion auf eine berechtigte Beschwerde. Allerdings ist nicht jedes ärztliche Fehlverhalten als schwer und berufsunwürdig zu werten. Der beschuldigte Arzt ist für den Fehler im Ultraschallbericht, der den Streit ausgelöst hatte, nicht verantwortlich. Dieser war wesentlich auf eine fehlerhafte Verwendung von Textbausteinen zurückzuführen. Weiterhin ist der Patientin der Bericht schließlich ausgehändigt worden. Wenn der Beschuldigte bestreitet, die Diagnose „depressive Verstimmung“ aus Rachsucht gestellt zu haben, ist dies nicht zu widerlegen.

Zu diesem Schluss könnte er nach Rücksprache mit dem Oberarzt und nach Gesprächen mit der Patientin gelangt sein. Zudem ist davon auszugehen, dass das Verfahren den beschuldigten Arzt zu korrekter Dokumentation und angemessener Gesprächsführung mit Patienten veranlassen wird. (Landesberufsgericht für Ärzte in Stuttgart, Beschluss vom 7. November 2009, Az.: LBGÄ Nr. 10/2009) RAin Barbara Berner
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