ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2010Tumorkonferenz in der T-City Friedrichshafen: Expertenrat per Videokonferenz

SUPPLEMENT: PRAXiS

Tumorkonferenz in der T-City Friedrichshafen: Expertenrat per Videokonferenz

Dtsch Arztebl 2010; 107(8): [8]

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Kliniken und niedergelassene Ärzte diskutieren aktuelle Fälle und entwickeln über das Internet gemeinsam Behandlungskonzepte für ihre Patienten.

Mit der webbasierten Lösung „Tumorkonferenz“ können Ärzte nicht nur schriftliche Informationen austauschen, sondern beispielsweise auch Röntgenbilder gemeinsam ansehen und diskutieren.
Mit der webbasierten Lösung „Tumorkonferenz“ können Ärzte nicht nur schriftliche Informationen austauschen, sondern beispielsweise auch Röntgenbilder gemeinsam ansehen und diskutieren.
Seit Ende 2009 tauschen sich Ärzte am Brustzentrum Bodensee in den Kliniken Konstanz und Friedrichshafen online per Videokonferenz über Krankheitsfälle und Behandlungsmethoden aus. Das Besondere in dem Telemedizinprojekt: Mit Jahresbeginn 2010 können auch niedergelassene Ärzte an den Konferenzen teilnehmen. Sie benötigen hierfür lediglich eine gewöhnliche Webcam und einen Rechner mit Internetanschluss.

Mehr Zeit für die Patienten
Vor dem Einsatz der Videokommunikation wurden die Tumorkonferenzen wöchentlich alternierend in Konstanz oder Friedrichshafen abgehalten – für die Ärzte aus der jeweils anderen Stadt regelmäßig ein aufwendiger Weg von rund einer Stunde Anfahrtszeit. Mit der Videokonferenzlösung lassen sich die Fachkonferenzen vollständig digital abbilden. Das umfasst nicht nur die Konferenz selbst, sondern auch sämtliche Arbeitsschritte vorher und nachher. So verschicken die Ärzte mit dem System Einladungen an ihre Kollegen, tauschen vorab Befunde und Röntgenbilder aus oder erstellen während der Konferenz „online“ ein Therapiekonzept. Darüber hinaus wird die Dokumentation für das Brustzentrum auch digital signiert.

„Die Tumorkonferenz bietet uns die Chance, verstärkt interdisziplinär zusammenzuarbeiten“, sagte Jochen Wolf, stellvertretender Geschäftsführer des Klinikums Friedrichshafen. „Zudem sparen wir mit dem System Kosten und vor allen Dingen Zeit, was wiederum der persönlichen Betreuung unserer Patienten zugute- kommt.“

Die technische Basis für die Tumorkonferenz bildet das T-City-Diagnostikportal (Kasten). Diese Kommunikationsplattform wird bereits seit 2008 erfolgreich erprobt. Sie ermöglicht es den Ärzten, Arztbriefe, Röntgenbefunde, Diagnosen und andere Patienteninformationen sektorenübergreifend elektronisch auszutauschen. Das Bildmaterial wird während der Konferenzen in Befundqualität dargestellt, so dass die Beteiligten beispielsweise Röntgen- oder CT-Bilder auf ihren Bildschirmen in hoher Qualität präsent haben und diskutieren können, um die Behandlungsschritte gemeinsam festzulegen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Ob Hausarzt, Onkologe, Pathologe oder Strahlentherapeut – alle, die an der Krebsbehandlung eines Patienten beteiligt sind, können sich in die Tumorkonferenz einwählen, sofern sie dazu berechtigt sind und eine Einladung erhalten haben. Diese wird mit den entsprechenden Zugangsdaten automatisiert aus dem Diagnostikportal generiert und verschickt. Per E-Mail erhält dann beispielsweise der Hausarzt die Benachrichtigung, dass der Fall seiner Patientin in einem bestimmten Zeitfenster in der Konferenz erörtert wird.

„Gerade bei der Behandlung von Krebserkrankungen müssen Frauenärzte, Hausärzte, Onkologen sowie alle an der Diagnostik beteiligten Ärzte und Therapeuten eng zusammenarbeiten, um den Patienten ganzheitlich betreuen zu können“, betonte Dr. med. Hans-Walter Vollert, Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Friedrichshafen. „Mit dem Diagnostikportal und der Tumorkonferenz stellt uns T-City daher zwei ganz wesentliche technische Hilfsmittel im Kampf gegen den Krebs zur Verfügung.“

Die Datensicherheit und die Einhaltung des Datenschutzes beim Umgang mit den sensiblen Patientendaten wurden durch OnkoZert, ein unabhängiges Zertfizierungsinstitut für Organkrebszentren und onkologische Zentren, sowie durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bestätigt. Das zertifizierte skalierbare System könnte nach Meinung der Experten künftig auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel der Allgemeinchirurgie, eingesetzt werden. Heike E. Krüger-Brand


Zukunftsmodelle für die vernetzte Gesellschaft
T-City ist die gemeinsame Zukunftswerkstatt der Stadt Friedrichshafen und der Deutschen Telekom. Beide Partner erproben, wie die Welt von morgen mit moderner Telekommunikations- und Informationstechnologie aussehen könnte. Bis 2012 werden in sechs Problemfeldern (Mobilität und Verkehr, Tourismus und Kultur, Bürger und Staat, Lernen und Forschen, Wirtschaft und Arbeit, Gesundheit und Betreuung) innovative Anwendungen entwickelt und getestet, mit denen T-City zum Modell für eine gut vernetzte Gesellschaft wird.

Zum Feld „Gesundheit und Betreuung“ gehören unter anderem die Projekte mobile Visite, der T-Mobile-Alarmruf, das Online-Tagebuch für Diabetiker und die Tumorkonferenz.

Informationen im Internet: www.t-city.de, www.wir-leben-zukunft.de
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