ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2010Abgeltungsteuer: Versicherungserträge bevorzugt

SUPPLEMENT: PRAXiS

Abgeltungsteuer: Versicherungserträge bevorzugt

Dtsch Arztebl 2010; 107(8): [28]

Löwe, Armin

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Von Zinserträgen und Dividenden, die den Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 810 Euro im Jahr (Ehegatten: 1 602) übersteigen, geht ein Viertel an den Fiskus. Auf An lagen, die der Altersvorsorge dienen, fallen geringere Steuern an. Foto: Fotolia
Von Zinserträgen und Dividenden, die den Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 810 Euro im Jahr (Ehegatten: 1 602) übersteigen, geht ein Viertel an den Fiskus. Auf An lagen, die der Altersvorsorge dienen, fallen geringere Steuern an. Foto: Fotolia
Erträge aus Versicherungen bleiben unter bestimmten Bedingungen steuerfrei.

Seit Anfang 2009 wird auf Zinserträge, Dividenden und Veräußerungsgewinne die 25-prozentige Abgeltungsteuer erhoben. Weil die Banken verpflichtet sind, die Steuer unmittelbar an das Finanzamt abzuführen, gibt es kaum eine Möglichkeit, dieser Abgabe zu entgehen. Aber es gibt legale Schlupflöcher: Der bislang wenig beachtete Erlass des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 1. Oktober 2009 (Az.: IV C 1 – S 2252/07/0001) nennt legitime Steuersparmöglichkeiten. Das BMF-Schrei-ben zeigt auf, unter welchen Bedingungen die Erträge aus Versicherungen steuerfrei bleiben.

Nach den Regelungen des Einkommensteuergesetzes wird der Vermögenszuwachs in einer Versicherung zunächst nicht besteuert. Der Fiskus greift erst zu, wenn der Vermögenszuwachs ausgezahlt wird. Aber auch in diesem Fall gibt es Vergünstigungen: Besteuert wird nur der Unterschiedsbetrag zwischen der Versicherungsleistung und der Summe der eingezahlten Beiträge im Erlebensfall (oder auch bei Rückkauf des Vertrags). Werden die Erträge nach einer Versicherungsdauer von zwölf Jahren und nach Vollendung des 60. Lebensjahres ausgezahlt, wird nur die Hälfte des Unterschiedsbetrags der Besteuerung zugrunde gelegt. Damit bleiben also 50 Prozent aller Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne steuerfrei. Erfolgt die Auszahlung, weil der Versicherungsfall eingetreten ist (der Versicherte stirbt), bleibt die Versicherung von allen Ertragsteuern freigestellt.

Das BMF-Schreiben vom 1. Oktober 2009 erläutert auf 30 Seiten, was steuerunschädlich ist und was nicht. Bereits seit Anfang 2005 ist es für die Besteuerung unerheblich, ob ein Versicherungsvertrag laufende Prämien vorsieht oder eine Einmalzahlung. Versicherungsverträge können also jederzeit aufgestockt werden. Aber es ist auch möglich, Teilauszahlungen zu vereinbaren. Für diese müssen nur die Ausgangsbedingungen eingehalten werden (mindestens zwölfjährige Dauer, Auszahlung nach dem 60. Lebensjahr). „Weil Teilauszahlungen vereinbart werden können, besteht keine Notwendigkeit mehr, den Vertrag kurzfristig unter Beachtung der steuerlich notwendigen Vertragsdauer abzuschließen“, meint Walter Feil, Vorstandsvorsitzender der Vermögensberatung Feil & Sterzenbach AG.

Das BMF-Schreiben stellt klar, dass konventionelle und fondsgebundene Versicherungen steuerlich gleich (günstig) behandelt werden. Die traditionelle Lebensversicherung wirft jedoch wegen des niedrigen Zinsniveaus nur noch geringe Erträge ab, daran wird sich in den nächsten Jahren nichts ändern, im Gegenteil: Die Zinsgutschriften werden bei den herkömmlichen Lebensversicherungen, die überwiegend in Zinspapiere investieren, tendenziell nachgeben, prognostizieren die Experten.

Fondsgebundene Lebensversicherungen, die in Aktienfonds anlegen, können eine Alternative bieten. Doch dann bleibt es dem Versicherungsnehmer überlassen, die richtigen Fonds auszuwählen und in andere Fonds umzuschichten, wenn dies erforderlich ist. Dazu fehlen vielen Versicherungsnehmern das Wissen, die Informationen und letztlich auch die Zeit. Zudem ist die fondsgebundene Lebensversicherung noch intransparenter als die herkömmliche Lebensversicherung, und sie gilt auch als teuer.

Die Anlage in Strategiefonds könnte ein Ausweg sein. Strategiefonds sind sehr breit gestreute Fonds, die das Geld der Versicherten in Aktien, Anleihen, Geldmarktpapiere und auch in Immobilien (über offene Immobilienfonds) anlegen und je nach Börsensituation den Schwerpunkt verlagern, aber dem Chancen-/Risikoprofil des Anlegers entsprechend breit diversifiziert bleiben. In jedem Fall entscheidet der Fondsmanager oder Vermögensverwalter über die jeweilige Zusammensetzung des Fondsvermögens. Der Versicherungsnehmer muss aber vorher die grundsätzliche Entscheidung fällen, welcher Strategie er folgen will. Armin Löwe
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