ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2010Chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis

MEDIZIN: Diskussion

Chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis

Chronic Recurrent Multifocal Osteomyelitis

Dtsch Arztebl Int 2010; 107(9): 148; DOI: 10.3238/arztebl.2010.0148a

Schilling, Fritz

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LNSLNS Dieser Beitrag ist dankenswert aktuell, weil Herr Kollege Herzog damit auf die im letzten Halbjahrhundert scheinbar verschwundene und differenzialdiagnostisch vergessene Tuberkulose (Tbc) aufmerksam macht (1). Diese droht nämlich – auch osteologisch – wiederzukommen und möglicherweise als Pathomorphose in eine verwirrende Differenzialdiagnostik zu geraten, wie in dieser Kasuistik der Knochentuberkulose. In deren differenzierenden Überlegungen spielt hier die allgemein kaum bekannte „chronisch rekurrierende multifokale (auch monofokale) Osteomyelitis“ (CRMO) eine wichtige Rolle, die aber durch eine irreführende Befund-Fehlinterpretation belastet ist und diese seltene „primär chronische Osteomyelitis“ auf diesem indirekt belehrenden Weg unkenntlich machen könnte.

Die CRMO manifestiert sich nämlich nicht in „sterilen Abszessen“, die es definitionsgemäß eigentlich gar nicht gibt, sondern in größeren, zum Teil „wandernden“ und altersabhängig lokalisierten sterilen Knochenmarkentzündungen. Diese verlaufen in drei Stadien überwiegend lympho-plasmazellulär, nicht aber „eitrig“, niemals also granulo-leukozytär. MRT und PE liefern dafür meist eindeutige Befunde, die morphologisch vom Entwicklungsstadium des pathologischen Prozesses abhängig sind. Auch die vorliegende Herdlokalisation entspricht keinem der 6 CRMO-Typen, wo keiner der Herde im Bereich des Schädeldaches von CRMO-Patienten vorkommt. Therapeutisch übrigens sind Kortikosteroide nicht indiziert.

Eine neu erkannte radiologische Gemeinsamkeit kann allerdings Tbc und CRMO differenzialosteologisch irrtümlich verbinden, nämlich eine potenzielle paraossäre, besonders die paravertebrale Weichteilentzündung mit Tendenz zur Verknöcherung, die bei der vertebralen CRMO zur Verwechslung mit der Tbc führt.

Im Übrigen aber dürfte dieser spezifischen Differenzialdiagnose keine häufige Bedeutung zukommen. Sie ist in unserem „Mainzer SAPHO/CRMO-Projekt“ unter 183 CRMO-Patienten nur einmal vorgekommen (2).
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0148a

Prof. Dr. med. Fritz Schilling
Hebbelstraße 20
55127 Mainz
1.
Herzog A: Case report: dangerous errors in the diagnosis and treatment of bony tuberculosis [Gefährliche Fehler in Diagnostik und Therapie einer Knochentuberkulose]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(36): 573–7. VOLLTEXT
2.
Schilling F: Abschiedsvorlesung „CRMO“, Univ.-Klinik Mainz 2003.
1. Herzog A: Case report: dangerous errors in the diagnosis and treatment of bony tuberculosis [Gefährliche Fehler in Diagnostik und Therapie einer Knochentuberkulose]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(36): 573–7. VOLLTEXT
2. Schilling F: Abschiedsvorlesung „CRMO“, Univ.-Klinik Mainz 2003.

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