ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2010Hoher Nutzen der MRT bei Brustkrebsvorsorge

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Hoher Nutzen der MRT bei Brustkrebsvorsorge

Dtsch Arztebl 2010; 107(9): A-366 / B-326 / C-318

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Eine weitere Studie zweifelt am Nutzen des Mammografiescreenings zur Früherkennung von Brustkrebs. Demnach übertrifft die Magnetresonanztomographie (MRT) sowohl die Mammographie als auch den Ultraschall deutlich im Hinblick auf die Zahl korrekt erkannter Tumoren. An der EVA-Studie* hatten zwischen 2002 und Mitte 2007 insgesamt 687 Frauen teilgenommen, die ein erhöhtes Brustkrebsrisiko trugen. Sie wurden jährlich mittels MRT, Mammographie und Ultraschall untersucht. Bei 27 von ihnen wurde ein Karzinom oder seine Vorstufe entdeckt (DCIS, Ductales Carcinoma In Situ). Dabei hatte die MRT mit 25 gefundenen Tumoren die bei weitem höchste Trefferquote (93 Prozent). Der Ultraschall kam auf 37 Prozent, die Mammographie auf 33 Prozent (Journal of Clinical Oncology, doi: 10.1200/ JCO.2009.23.0839).

„Diese Ergebnisse belegen erneut eindrucksvoll, dass bei Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-risiko eine wirkliche Früherkennung allein mit der MRT möglich ist. Allerdings empfehlen die geltenden Leitlinien, dass die MRT ausschließlich zusätzlich zu Mammographie und Sonographie eingesetzt wird“, sagt Studienleiterin Prof. Dr. med. Christiane Kuhl von der Radiologischen Universitätsklinik Bonn. Werde eine MRT durchgeführt, sei eine Mammographie oder eine Sonographie sogar unnötig.

Die Teilnehmerinnen der EVA-Studie trugen ein familiär erhöhtes Risiko, weil in ihren Familien Brustkrebsfälle aufgetreten waren. „Es handelte sich aber bei weitem nicht immer um eine Hochrisikosituation mit einer BRCA-Mutation“, betont Kuhl. Die aktuellen Leitlinien empfehlen die MRT nur für Frauen in einer Hochrisikosituation – und immer nur zusätzlich zu Mammographie und Sonographie. Somit werden diese Frauen derzeit einer jährlichen MRT, einer jährlichen Mammographie und einer halbjährlichen Sonographie unterzogen – und dies schon ab dem 30. oder sogar dem 25. Lebensjahr. „Derartige Empfehlungen sind im Licht unserer neueren Erkenntnisse nicht mehr haltbar“, meint Kuhl. Bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr sei die resultierende Strahlendosis auch bei regelmäßiger Mammographie (alle zwei Jahre) unbedenklich. Die strahlenbiologischen Folgen der aktuellen Leitlinie für Frauen in Hochrisikosituation sind dagegen unabsehbar. Denn: „Das Brustdrüsengewebe junger Frauen ist sehr viel strahlenempfindlicher“, so Kuhl. zyl

*EVA-Studie: Evaluierung der Leistungsfähigkeit diagnostischer Verfahren (Mammographie, Sonographie, MRT) zur sekundären und tertiären Prävention des familiären Mammakarzinoms
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