ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2010Allgemeinmedizin: Wichtige Aspekte fehlen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
. . . So begrüßenswert und wesentlich die geplante Aufstockung der Fördersumme grundsätzlich ist, vermissen die Vertreter der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADe) in dem Artikel einige wichtige Aspekte, um dem Thema Weiterbildung in der Allgemeinmedizin gerecht zu werden . . .

Tatsächlich ist eine angemessene Vergütung eine wichtige Voraussetzung für die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Sollten die vorgestellten Förderbeträge so umgesetzt werden, wie seit Vertragsunterzeichnung im Januar 2010 zu erwarten ist, dürfte es in Zukunft deutlich mehr Praxen möglich sein, Ärzte in Weiterbildung nach Tarif zu bezahlen. Hierdurch wird die Bezahlung im Vergleich zu anderen Fächern jedoch lediglich angeglichen. Dies war längst überfällig. Im DÄ-Artikel wird hingegen dargestellt, dass die Allgemeinmedizin im Vergleich zu anderen Fächern durch die Förderung sogar bevorzugt würde.

Die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin nimmt sowohl durch den mehrfach notwendigen Wechsel der Fachgebiete als auch durch die obligatorische Praxisphase eine Sonderrolle ein. Die Weiterbildungsphase in der Praxis wäre ohne Förderung zum derzeitigen Zeitpunkt kaum möglich, so dass das Förderprogramm Allgemeinmedizin eine Voraussetzung ist, dass die Weiterbildung Allgemeinmedizin überhaupt abgeschlossen werden kann und junge Hausärzte als nächste Generation nachfolgen.

Unerwähnt blieben die kürzlich gegründeten und erfolgreichen Verbund-Weiterbildungsprogramme wie z. B. in Baden-Württemberg, Jena, Hamburg, Kamen, Lichtenfels/Oberfranken und Verden, die bereits großen Zulauf haben. Durch diese Strukturen werden Rotationen durch die verschiedenen Fächer organisiert und zunehmend auch Schulungstreffen sowie eine Mentorenbetreuung integriert. Dadurch wird die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin erleichtert und in ihrer Qualität und Attraktivität erheblich angehoben.

Aktuell hat weniger als die Hälfte der medizinischen Fakultäten in Deutschland überhaupt eine allgemeinmedizinische Abteilung mit einem allgemeinmedizinischen Lehrstuhl. Wie sollen sich Medizinstudierende für ein Fachgebiet begeistern, welches zwar in der Versorgung einen großen Stellenwert einnimmt, universitär jedoch noch in den meisten Fällen höchstens am Rande repräsentiert ist? Auch hier ist es für uns offenkundig, dass eine finanzielle Förderung der Weiterbildung allein nicht zu dem erwünschten Erfolg führen kann.

Auch für kommende Generationen von Ärzten benötigen wir den Zugang zu einer Weiterbildung, in der strukturelle und inhaltliche Elemente auf die Tätigkeit des Hausarztes selbstverständlich ausgerichtet sind. Die JADe wird sich gerne an der Ausarbeitung von Struktur und Inhalt der Weiterbildung Allgemeinmedizin beteiligen.

Literatur bei dem Verfasser
Dr. med. Christian Haffner, Sprecher Öffentlichkeitsarbeit der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADe), 60599 Frankfurt am Main
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige