ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2010Allgemeinmedizin: Die Geber
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War vor 20 Jahren die hausärztliche Tätigkeit ein attraktives Berufsbild, so haben die Gestalter den Nachwuchs weggeekelt und den Versorgern die Berufsausübung erschwert . . . Die hausärztlichen Strukturleistungen, Hausbesuche und Nachtarbeit wurden mit Korridoren in Regelleistungsvolumina begrenzt. Die Regelleistungsvolumina werden vermindert. Hausarztpraxen werden aufgrund ehemals höherer Umsätze noch zu Preisen angeboten, welche nicht der zu erwartenden künftigen Leistung entsprechen. Leistungen, wie die vom Hausarzt erbrachte kostengünstige Leichenschau, werden diskreditiert. Hausärztliche Atteste genießen vor Gericht wenig Ansehen. Der Facharzt für Allgemeinmedizin hat für Auftraggeber den Charakter eines sofort einsetzbaren Werkzeugs, das sich mit Eigeninitiative den Erfordernissen anpasst. Ein Hausarzt hat außerhalb seiner traditionellen Tätigkeit in eigener Praxis keinen Vermittlungswert. Hausärzte sind in vielerlei Hinsicht Geber: von Arbeit, von Zuwendung, von Investitionen. Die Vereinheitlichung des hausärztlichen Regelleistungsvolumens hat für den Nachwuchs die Berufsperspektive durchschaubar gemacht. Erbringt ein Hausarzt Arbeit über seine dreimonatige Pauschale hinaus, so sinkt sein individueller Stundenlohn unter das Niveau von Berufsanfängern. Gebietsärzte genießen in der Fachpresse Anerkennung. Wie viele Fachbeiträge des DÄ sind denn von Hausärzten geschrieben worden? Dem Hausarzt wird die Rolle des Leserbriefschreibers eingeräumt. Mitreden bei der Gestaltung der Versorgung darf er nicht. Kann diese Berufswirklichkeit Akademiker zur Nachfolge motivieren?
Dr. med. Martin P. Wedig, 44628 Herne

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