ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2010Personenlexikon: Pionierarbeit

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Personenlexikon: Pionierarbeit

Dtsch Arztebl 2010; 107(9): A-398 / B-352 / C-342

Jütte, Robert

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Volkmar Sigusch Günter Grau, (Hrsg.) Personenlexikon der Sexualforschung. Campus Verlag, Frankfurt, New York 2009, 813 Seiten, gebunden, 179 Euro
Volkmar Sigusch Günter Grau, (Hrsg.) Personenlexikon der Sexualforschung. Campus Verlag, Frankfurt, New York 2009, 813 Seiten, gebunden, 179 Euro
An Magnus Hirschfeld (1868–1935), den berühmten Sexualforscher und Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen, erinnern heute eine wissenschaftliche Gesellschaft, die seinen Namen trägt, sowie Straßenbezeichnungen in Berlin und Oranienburg. Doch wer kennt heute noch seinen Zeitgenossen und Kollegen Samuel Jessner (1859–1929), der einen Lehrstuhl für Sexualwissenschaft an der Universität Königsberg innehatte? Zu seiner Person und seinem nicht besonders umfangreichen Werk ist bislang nicht geforscht worden. Sein Name ist völlig in Vergessenheit geraten, fast so wie der seines Adoptivsohnes Leopold Jessner (1878–1945), der als erster Jude Intendant des Preußischen Staatstheater wurde und in der Weimarer Republik zu den bedeutendsten deutschen Theaterregisseuren gehörte, bis schließlich der Aufstieg der Nationalsozialisten ihn ins Exil zwang. Samuel Jessners Schicksal, das der Vergessenheit anheimfiel, ist nicht so einzigartig, wie man jetzt in einem verdienstvollen biografischen Nachschlagewerk, an dem der emeritierte Professor für Sexualwissenschaft Volkmar Sigusch zusammen mit zahlreichen Fachleuten über viele Jahre gearbeitet hat, nachlesen kann. 199 Forscher, die wir heute als Sexualwissenschaftler im weitesten Sinne bezeichnen würden, sind in diesem wertvollen Nachschlagewerk biografisch erfasst. Viele dieser Namen findet man in keinem anderen biografischen Lexikon. Hier haben Herausgeber und Mitautoren zum Teil Pionierarbeit leisten müssen. Dass unter den Sexualwissenschaftlern, die Eingang in dieses Personenlexikon gefunden haben, ein Großteil jüdischer Herkunft ist, wird niemanden wundern, der mit der Geschichte dieser Fachdisziplin vertraut ist. Als nächster Schritt böte sich jetzt eine Kollektivbiografie an, die ihren Ausgang von diesem biografischen Standardwerk nehmen könnte. Robert Jütte

Volkmar Sigusch, Günter Grau (Hrsg.) Personenlexikon der Sexualforschung. Campus Verlag, Frankfurt, New York 2009, 813 Seiten, gebunden, 179 Euro
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