ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2010Madrids Museumsmeile: Etwas von der Seele Spaniens

KULTUR

Madrids Museumsmeile: Etwas von der Seele Spaniens

Dtsch Arztebl 2010; 107(9): A-402 / C-346

Macher, Julia

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LNSLNS Spaniens Hauptstadt läuft Barcelona den Rang als Kunst- und Trendmetropole ab.

Foto: Museo National Centro de Arte Reina Sofia
Foto: Museo National Centro de Arte Reina Sofia
Vor dem Frühstück Zeit für eine Audienz im Prado, vielleicht bei der Infantin Margarita Teresa, der Prinzessin von Diego Velázquez’ „Las Meninas“? Das Mittagessen darf dann begleitet von Lucas Cranachs Quellnymphen im Thyssenmuseum eingenommen werden, zum Kaffee gibt es eine Tanzperformance im Caixa-Forum, und wer dann noch Kraft hat, wirft vor dem Abendessen noch einen Blick auf Picassos Guernica im Museo Reina.

Auch wenn sich alle vier Häuser auf gerade einmal anderthalb Kilometern verteilen, ist es unmöglich, die Madrider Museumsmeile an einem Tag zu bewältigen. Was die spanische Hauptstadt an Kunstschätzen vorzuweisen hat, ist überwältigend. Und jetzt, wo die Museumsumbauten fertiggestellt sind, noch beeindruckender als zuvor. Mehr als 350 Millionen Euro flossen in den letzten Jahren in den „Paseo del Arte“. Ganz nebenbei hat sich die Hauptstadt verjüngt. Barcelona ist die führende spanische Kunst-und Trendmetropole? Nicht mehr! In den Straßen rund um den Paseo del Prado haben sich Galerien angesiedelt, Avantgardeköche wie Sergi Arola und Paco Roncero servieren futuristische Tapasvarianten.

Das im Herbst 2008 eingeweihte Kulturzentrum der katalanischen Sparkassenstiftung ist das jüngste und spektakulärste Bauwerk am Kunstboulevard. Das Architektenduo Herzog & de Meuron hat das denkmalgeschützte Elektrizitätswerk den Gesetzen der Schwerkraft enthoben: Der Ziegelbau scheint zu schweben, das Erdgeschoss wurde zu einer Art Unterführung aufgelöst. Dafür hat man dem Gebäude nun zwei zusätzliche Stockwerke aufs Dach gesetzt. Als sei das der Umkehrung der Verhältnisse nicht genug, sprießen nebenan Palmlilien, Myrthen und Bergenien senkrecht aus der Wand. Mit 15 000 Pflanzen auf 460 Quadratmetern übertrifft der vertikale Garten des Landschaftskünstlers Patrick Blanc den benachbarten Jardín Botánico in puncto Dichte bei weitem.

Ein schlichter Ziegelwürfel
„Mich freut, dass auch die Nachbarhäuser wachsen und gedeihen“, sagt Guillermo Solana, Chefkurator des Museums Thyssen-Bornemisza. Sein Haus war Vorreiter des Baubooms am Paseo del Prado und wurde bereits 2004 vergrößert. Im Jahr darauf vollendete Jean Nouvel den Annex des Museo Nacional de Reina Sofia: Quader aus Glas und rotem Aluminium gruppieren sich um eine luftige Plaza der modernen Kunst. Und als 2007 dann auch der Erweiterungsbau des Prado eingeweiht wurde, seufzten die Madrilenen erleichtert auf: Wegen diverser Gerichtsverfahren und Baustopps vergingen neun Jahre zwischen Wettbewerb und Fertigstellung.

Dabei ist der Entwurf des Pritzker-Preisträgers Rafael Moneo durchaus gelungen: ein schlichter Ziegelwürfel, der über einen unterirdischen keilförmigen Gang mit dem alten klassizistischen Bau verbunden ist. Sein lichtes Inneres verhilft nicht nur einem zuvor achtlos verfallenden barocken Kreuzgang zu neuem Glanz, sondern bietet nun auch Platz für Sonderausstellungen, Bibliothek und Auditorium. Die Räumlichkeiten sind großzügiger, die Dichte des Kunstgenusses ist geblieben. Denn im Gegensatz zum Louvre oder den Berliner Museen will der Prado keinen enzyklopädischen Überblick über die gesamte Kunstgeschichte geben, sondern die königlichen Sammlungen präsentieren. „In dem, was die Herrscher aus den Häusern Bourbon und Habsburg über die Jahrhunderte kauften und in Auftrag gaben, lässt sich nicht nur der Kunstgeschmack der Monarchen, sondern auch der Zeitgeist erahnen“, erklärt Vizedirektor Gabriele Finaldi.
Julia Macher

Informationen: www.turismomadrid.org; www.museodelprado.es; www.museothyssen.org; www.museoreinasofia.es; http://obrasocial.lacaixa.es.
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