ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2010Börsebius: So geht Bank heute

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Börsebius: So geht Bank heute

Dtsch Arztebl 2010; 107(9): A-405 / B-357 / C-349

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LNSLNS Wer eine Bank ausraubt, schadet seinem Leumund (und kommt in den Knast), wer eine gründet, tut dies frei nach Bertolt Brecht eben nicht, sondern gehöre zu den oberen Zehntausend. Ob das heute immer noch so ist, wage ich doch zu bezweifeln.

Was aber hat zu geschehen, wenn der Ruf einer Bank so nachhaltig demoliert ist, dass kaum jemand noch Geschäfte mit dem Geldhaus machen möchte? Ganz einfach, ein neuer Name muss her, ein paar Millionen in eine geniale Werbekampagne gesteckt und schon läuft die Chose wieder. So geschehen bei der ehemaligen Citibank, vielen Lesern als eifriger Lehman-Brothers-Produktverkäufer und anderer Sprengbomben einschlägig bekannt. Streiche „Citibank“, setze „Targobank“, inszeniere monatelang den eingängigen wie geheimnisvollen Slogan „So geht Bank heute“, und alles ist in Butter.

Wie Bank heute wirklich geht, zeigen indes die aktuellen Zahlen der Commerzbank AG und der verhaltene Ausblick für dieses Jahr. Das Zahlenwerk lässt nur einen Schluss zu: schlimm, schlimm, schlimm. Der Verlust für 2009 beläuft sich auf 4,5 Milliarden Euro, erst im Jahr 2011 soll wieder ein Gewinn möglich sein. Über die Aussichten in diesem Jahr mag keiner so recht reden, aber es wären doch eher Verluste zu erwarten.

Nur mal so nebenbei: Der Nachbar Deutsche Bank hat letztes Jahr fünf Milliarden Euro verdient.

Bitte, ich will die Bank nicht schlechter reden, als sie ohnehin dasteht. Aber wenn der Boss des Hauses, Martin Blessing, sich hinstellt und für das laufende Jahr nur dann einen Gewinn als möglich ansieht, wenn sich Finanzmärkte und Wirtschaft „sehr positiv“ entwickeln, dann lässt das schon tief blicken. Kurzum: Das ist – verklausuliert – nichts anderes als die Ankündigung eines weiteren herben Verlusts für 2010. Für den Aktienkurs dürfte das sicher keine guten Folgen haben.

Nun könnten die Commerzbank-zahlen auch einen Zweck bereits erfüllt haben, eben den, in den kritischen Fokus eines Kolumnisten geraten zu sein, um die Leser mit seiner Meinung zu erhellen.

Aber das ist es nicht allein. Ein genauerer Blick in das Zahlenwerk zeigt unversehens eine möglicherweise dramatische Konstellation. Die Commerzbank hat ein erhebliches Griechenland-Risiko in ihren Büchern stehen. Wird die Tochter Deutsche Schiffsbank mitgerechnet, beläuft sich die unsichere Charge auf gut acht Milliarden Euro.

Und damit sind wir – Aktionär oder nicht – mittendrin im Thema und voll betroffen. Der Staat als Großaktionär wird schon dafür sorgen, genauer sorgen müssen, dass dieser horrible Posten nicht durchknallt. Wird aus der viertelstaatlichen Bank noch eine halbstaatliche? Am Ende bezahlen wir Steuerzahler wieder einmal die Großmannssucht eines Geldinstituts. Wohl bekomm’s.
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