ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2010Honorare im Basistarif: Viel Lärm um wenig Patienten

EDITORIAL

Honorare im Basistarif: Viel Lärm um wenig Patienten

PP 9, Ausgabe März 2010, Seite 97

Meißner, Marc

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LNSLNS Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat sich mit der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) über die Honorierung von Leistungen innerhalb des Basistarifs geeinigt. Ein Ziel dabei war es, diesen Tarif für die Versicherten nicht allzu attraktiv zu gestalten. Entsprechend gering ist die Vergütung ausgefallen: Ab April kann für die meisten Leistungen des Basistarifs nur noch der 1,0- bis 1,2-fache Steigerungssatz bei den GOÄ-Sätzen (Gebührenordnung für Ärzte) abgerechnet werden – deutlich weniger als bisher. Allerdings muss man sich fragen: Wird dadurch der Basistarif für die Versicherten unattraktiver?

Weder KBV noch PKV haben ein Interesse daran, dass Versicherte in den Basistarif wechseln. Ob eine geringere Vergütung für Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten aber tatsächlich jemanden davor zurückschrecken lässt, muss bezweifelt werden – denn für die Versicherten ändert sich nichts. Der Leistungskatalog bleibt derselbe. Die Basistarifversicherten haben nach wie vor den gleichen Leistungsanspruch wie die Versicherten in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Ob die Patienten überhaupt etwas von der Honorarkürzung merken, hängt von den Leistungserbringern ab. Nur wenn Ärzte und Psychotherapeuten Patienten mit Basistarif anders behandeln, als sie es gewohnt sind, werden diese mitbekommen, dass ihr Tarif weniger attraktiv geworden ist.

Mit den niedrigeren Sätzen erreichen Ärzte aber immer noch ein Honorarniveau wie in der GKV – im Gegensatz zu den Psychotherapeuten. Sie erhalten aufgrund der Neuregelung für eine Therapie bei einem Basistarifversicherten deutlich weniger – zum Teil nur die Hälfte des GKV-Tarifs, wie die Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen (PTK-NRW) mitteilte. So dramatisch dies auf den ersten Blick auch aussieht: Es ist übertrieben, wenn Monika Konitzer, Präsidentin der PTK-NRW, dem KBV-Vorsitzenden Dr. med. Andreas Köhler vorwirft, er „lässt bei psychotherapeutischen Interessen jegliches Durchsetzungsvermögen vermissen“. Denn in den Basistarif der PKV sind in ganz Deutschland bisher nur 12 000 Menschen versichert. Selbst wenn man einen von ihnen unter seinen Patienten haben sollte, dürften die Honorareinbußen kaum ins Gewicht fallen. Für den Fall, dass die Zahl der Basistarifversicherten unerwarteterweise stark ansteigen sollte, hat sich die KBV abgesichert: Wenn mehr als 100 000 im Basistarif der PKV eingeschrieben sind, kann die KBV die Vereinbarung kündigen.

Was man bei aller Kritik am Verhandlungsgeschick der KBV nicht vergessen darf: Ihr Hauptanliegen war es nicht, die bestmöglichen Honorare für die Ärzte zu verhandeln, sondern zu verhindern, dass der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) über den Basistarif Einzug in die PKV hält. Denn wenn dieser erst einmal Bestandteil der Abrechnungssystematik bei der Behandlung von Selbstzahlern ist, wird der EBM auch künftige GOÄ-Verhandlungen beeinflussen. In diesem Fall hätten die Verluste für Ärzte und Psychotherapeuten erheblich höher ausfallen können, als das jetzt der Fall ist.
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