ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2010KV Westfalen-Lippe: Aus für Arzneimittelvereinbarungen

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KV Westfalen-Lippe: Aus für Arzneimittelvereinbarungen

PP 9, Ausgabe März 2010, Seite 102

Korzilius, Heike

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Rezepte aus Hausarztverträgen? Dann will die KV nicht mehr für die Ausgaben haften. Foto: Fotolia
Rezepte aus Hausarztverträgen? Dann will die KV nicht mehr für die Ausgaben haften. Foto: Fotolia
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe will von 2011 an keine Arzneimittelvereinbarungen mehr mit den Krankenkassen schließen und auch nicht mehr für die Einhaltung der Ausgabenvolumina haften. Die Verantwortung für die Steuerung der Verordnung liege mehr und mehr in anderen Händen, begründete deren Zweiter Vorsitzender, Dr. med. Wolfgang-Axel Dryden, die Entscheidung. Mit der Aut-idem-Regelung und der Möglichkeit der Krankenkassen, mit Arzneimittelherstellern Rabatte zu vereinbaren, habe der Gesetzgeber die Preisverantwortung Apothekern und Kassen übertragen. Die Hausarztverträge nach § 73 b SGB V machten das System nun für die KV endgültig unkontrollierbar. Weil Hausärzte für rund drei Viertel der Arzneimittelverordnungen verantwortlich seien, werde ein Großteil der Arzneimittelkosten künftig im Rahmen der Selektivverträge gesteuert. Überschreitungen der vereinbarten Ausgabenvolumina durch Fehlsteuerungen im System der Hausarztverträge dürften aber nicht zulasten des Kollektivvertragssystems gehen, betonte Dryden.

Der Hausärzteverband Westfalen-Lippe kritisierte die Entscheidung. „Die KV schlägt sich in die Büsche, noch bevor die Hausarztverträge im Verhandlungsbezirk unterschrieben sind“, erklärte deren Vorsitzender, Dr. med. Norbert Hartmann. Damit entziehe sie sich der gesetzlichen Verantwortung statt gemeinsam mit dem Hausärzteverband an einer Lösung zu arbeiten.

Rückendeckung erhielt die KV Westfalen-Lippe dagegen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Aufgrund der zahlreichen gesetzlichen Änderungen in den vergangenen Jahren fordert sie in ihrem politischen Programm zur Neuausrichtung der Arzneimittelversorgung eine klare Aufteilung von Versorgungs- und Ausgabenmanagement. Danach sollen die Ärzte künftig nur noch für die Indikationsstellung, die Wirkstoffauswahl und dessen Dosierung zuständig sein. Die Preisverantwortung übernehmen Krankenkassen und Pharmaunternehmen. Das Konzept ist allerdings innerärztlich umstritten. So warnt der NAV-Virchow-Bund die niedergelassenen Ärzte davor, sich die Therapiefreiheit aus der Hand nehmen zu lassen. HK
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