ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2010Computerangst: Therapieantrag für den Computer
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LNSLNS Ich halte es für sehr einseitig, das Problem den Nichtusern allein anzulasten. Der Computer ist ein extremer Autist. Geht man nicht einhundertprozentig auf seine Struktur- und Kommunikationsform ein, ist eine Kommunikation unmöglich. Er selbst ist in keinster Weise schwingungsfähig und problembewusst. Er war nie in der Lage, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, hatte schon immer Zwangsstörungen. Im Zuge seiner „Weiterentwicklung“ wurden die Probleme immer stärker. Die jetzige Generation kann so viel, dass sie sich gar nicht mehr konzentrieren kann. Sie reagiert auf kleinste Störungen und Abweichungen mit Abschweifen auf die absurdesten Funktionen. Es zeigen sich Symptome einer Alzheimerdemenz. Mitten in der normalen Kommunikation findet er plötzlich ohne Grund Teile von sich selbst nicht mehr wieder, hat Mitgeteiltes vergessen und verweigert sich. Solche Individuen sind nur von spezialisierten Personen zu handhaben. Diese haben sich aber im Fall des Computers völlig mit seiner defizitären Kommunikationsform identifiziert. Sie können die nötigen Verhaltensmodifikationen ihres Patienten nicht leisten. Das Nahestehenste, nämlich der Aufbau von Reizfiltern und Konzentration, muss aber geleistet werden. Der Computer bleibt natürlich in seiner Kommunikation schwer behindert. Die Schreibmaschine oder ein Kugelschreiber können zwar sehr viel weniger, sind aber in ihrer Beschränktheit besser handhabbar.

Bei unserem Patienten handelt es sich einerseits um eine nicht zu beherrschende Erbkrankheit. Er kann nicht (mit)denken und wird es nicht lernen (Hardware). Es finden sich aber auch neurotische Verarbeitungen (Betriebssysteme und Software), die therapierbar wären. Für die Unterscheidungsfähigkeit zwischen jetzt bei der Arbeit wichtigen Details und jetzt störenden Fähigkeiten empfehle ich die Supervision der Programmierer durch Sonderschullehrer. Die haben gelernt aus konzentrationsunfähigen und hypermotorischen Vorschulkindern wenigstens leidlich aufmerksame Schüler zu machen, die eine Chance im Leben haben.
Annelie Dott, Psychologische Psychotherapeutin, 50858 Köln

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