ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2010Hausaufgaben: Bei psychoanalytischen Verfahren ein Kunstfehler
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LNSLNS Mit Aussagen wie: „Dennoch werden Hausaufgaben in Psychotherapien immer noch viel zu selten systematisch eingesetzt (. . . ) Ein Grund für den nachlässigen Einsatz therapeutischer Hausaufgaben könnte die Einstellung der Psychotherapeuten sein“ wird ein anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren in unzulässiger Weise angeschuldigt und diffamiert. Das ist mehr als bedenklich.

Psychoanalytisch orientierte Verfahren (analytische Psychotherapie, tiefenpsychologische Psychotherapie) haben nicht eine willentliche Verhaltensänderung ihrer Patienten zum Inhalt, sondern streben Veränderungen der unbewussten intrapsychischen Konfliktdynamik an. Diese sabotieren das willentliche Verhalten des Patienten, oft unbemerkt und immer wieder. Das behandlungstechnische Vorgehen ist wissenschaftlich fundiert und basiert auf der Entwicklung von Übertragung und Gegenübertragung. Das bedeutet, dass der Patient eben nicht auf Aktionen des Therapeuten reagieren soll, sondern im therapeutischen Prozess, ausgehend von seiner eigenen Initiative, dem eigenen Rhythmus den eigenen Assoziationen folgend, seine krank machenden unbewussten Motive und Widerstände im aktuellen therapeutischen Beziehungsgeschehen ausgestaltet, damit sie gedeutet und somit einer willentlichen Entscheidung auf bewusster Ebene zugänglich werden. Voraussetzung dafür ist die Abstinenz des Therapeuten, also seine größtmögliche Zurückhaltung mit eigenen Aktivitäten, die die Übertragung beeinflussen würden. Vor psychoanalytischem Hintergrund wären Hausaufgaben ein therapeutischer Kunstfehler und bleiben den lerntheoretischen Verfahren vorbehalten, in deren Rahmen sie ihre Berechtigung haben.
Dipl.-Psych. Cornelia Puk, Psychoanalytikerin (DGPT, DPV, IPA), 71083 Herrenberg
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