ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2010E-Mail: Unverschlüsselte E-Mails sind nicht sicher
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LNSLNS Die Autorin irrt, wenn sie die Schwierigkeiten der Wahrnehmung des Patientengeheimnisses und der Schweigepflicht so beschreibt: „Ein Therapeut kann schließlich nicht sicherstellen, dass der Patient die vertraulichen E-Mails nicht weiterleitet oder dass unbefugte Personen die Korrespondenz verfolgen“. Der erste Fall berührt die Schweigepflicht nicht, weil der Patient keine Schweigepflicht hat. Allenfalls könnten die Persönlichkeitsrechte des Therapeuten betroffen sein, etwa wenn Mitteilungen des Therapeuten öffentlich in das Internet gestellt werden. Der zweite Fall stellt hingegen tatsächlich eine Schwierigkeit dar: Der Patient sollte in jedem Fall darüber aufgeklärt werden, dass (unverschlüsselte) E-Mails gegen die Einsichtnahme durch unbefugte Dritte wenig geschützt sind. Eine zweite Frage wäre, ob vertrauliche Mails beziehungsweise deren Anhänge im gegenseitigen Einverständnis verschlüsselt werden, wie es bei patientenbezogenen Datenübermittlungen an Dritte (Kolleginnen, KV et cetera) zwingend erforderlich ist.

Ich sehe die eigentliche Problematik (therapeutischer) E-Mails in der bei Therapeutinnen und Patienten genährten Fantasie einer grenzenlosen Verfügbarkeit und der Vermeidung beziehungsweise Bearbeitung von Trennungen, die dem therapeutischen Prozess in der Regel eher abträglich sein dürfte. Dass die Autorin auf solche Überlegungen nicht eingeht, wundert mich nicht (mehr).
Dipl.-Psych. Jürgen Thorwart, (DGPT, Freie Institute), 82223 Eichenau, www.schweigepflicht-online.de
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