ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2010Psychodynamik: Didaktisch klar und Inhaltlich überzeugend

BÜCHER

Psychodynamik: Didaktisch klar und Inhaltlich überzeugend

PP 9, Ausgabe März 2010, Seite 133

Maier, Christian

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in Psychiatrie und in den der Psychoanalyse nahestehenden psychotherapeutischen Richtungen haben dazu geführt, dass, nachdem die Klassifikationen nach ICD-10 und DSM sich durchgesetzt haben, nun klare, rein der Phänomenologie verpflichtete diagnostische Kriterien gelten. Die schon immer karge Krankheitslehre der Psychiatrie zerrann weiter, während die Psychoanalytiker angesichts des sich ständig mehrenden Wissens erkannten, dass ihre in die Jahre gekommene Neurosenlehre gründlicher Überarbeitung bedurfte. Das Resultat war eine immer größer werdende Lücke im Verständnis der seelischen Krankheitsbilder, zum Nachteil der nun in vielfältigen Unsicherheiten befangenen Ärzte und Psychotherapeuten und – das vor allem – auf Kosten der Patienten. Nun ist ein Buch erschienen, das diese Lücke schließt, in didaktisch klarer, inhaltlich voll überzeugender und auch kreativer Weise, von einem Autor, Stavros Mentzos, der sowohl in Psychoanalyse wie Psychiatrie höchste fachliche Kompetenz bewiesen hat, in zahlreichen Publikationen und Büchern, darunter bereits heute Standardwerke, wozu bald dieses „Lehrbuch der Psychodynamik“ zählen wird.

Zwei Ziele verfolgt der Autor: Erstens geht es ihm um die Psychodynamisierung der Diagnosen, die Koppelung der Psychodynamik an die psychiatrischen Klassifikationen, und zweitens arbeitet er konsequent die Funktion in der Dysfunktionalität heraus, zeigt auf, dass jede seelische Störung, bis hinein in ihre fein verästelte Symptomatik, egal wie leidvoll auch immer, eine auch aktive Strategie darstellt und somit eine irgendwie positive Funktion hat. Gegliedert in drei Teile, steht zu Beginn die allgemeine Psychodynamik, in der die Grundlagen analytischer Psychotherapie dargelegt werden in einer sowohl einem Laien zugänglichen Weise wie in einer auch den erfahrenen Psychoanalytiker fordernden Tiefe. Im mittleren Teil folgt die Psychodynamik spezieller seelischer Störungen, mit den von Mentzos entwickelten Konzepten, dem Bipolaritätsmodell und der an dem jeweiligen Modus von Abwehr und Kompensation sich orientierenden Darstellung psychischer Störungen. Alle Konzepte, im letzten Teil theoretisch ausgeführt und begründet, sind sehr erhellend und, insbesondere was die Variationen des schizophren-psychotischen Modus angeht, in dieser Form einzigartig überzeugend.

Mit den Konzepten von Mentzos, mit seinen Darstellungen und Erklärungen kann gut und klar gedacht und der Patient in all seiner Not verstanden werden. Was mehr könnte ein Lehrbuch bieten? Christian Maier

Stavros Mentzos: Lehrbuch der Psychodynamik. Die Funktion der Dysfunktionalität psychischer Störungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, 298 Seiten, gebunden, 39,90 Euro
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema