ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2010Ärztliche Fortbildung im Internet: Kriterien für gutes E-Learning

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Ärztliche Fortbildung im Internet: Kriterien für gutes E-Learning

Dtsch Arztebl 2010; 107(10): A-421 / B-373 / C-365

Borg, Elisabeth; Waschkau, Alexander W.; Engelbrecht, Justina; Brösicke, Karin

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LNSLNS Die Bundes­ärzte­kammer hat Qualitätsanforderungen erarbeitet, die bei der Entwicklung und Bewertung von Online-Fortbildungsmaßnahmen helfen.

Lernen in den eigenen vier Wänden, unabhängig von festen Unterrichtszeiten und vorgegebenen Räumlichkeiten, ist keine neue Erfindung, Fernstudieneinrichtungen gibt es seit Jahrzehnten. Auch für Ärztinnen und Ärzte hat die moderne Form der Fortbildung auf Entfernung in Form des E-Learnings inzwischen einen relevanten Stellenwert im persönlichen Fortbildungsportfolio erlangt.

So hat sich in den letzten Jahren ein breiter Markt von Anbietern im Bereich E-Learning für Mediziner und andere Gesundheitsberufe entwickelt, dessen Fortbildungsmaßnahmen sich hinsichtlich ihrer Struktur und ihres didaktischen Aufbaus und damit in ihrer Qualität zum Teil erheblich voneinander unterscheiden.

Der Deutsche Senat für ärztliche Fortbildung – ein ständiger Ausschuss der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) – hat daher die Arbeitsgruppe „Initiative E-Learning“ gegründet und diese unter anderem mit der Erarbeitung von Qualitätskriterien für die Entwicklung und Bewertung von E-Learning-Fortbildungsmaßnahmen beauftragt.

Entspannt und selbstbestimmt zu Hause lernen –mit E-Learning ist das möglich. Foto: Fotolia
Entspannt und selbstbestimmt zu Hause lernen –
mit E-Learning ist das möglich. Foto: Fotolia
Blended-Learning – vielversprechende Lernform
Die intensive Beschäftigung mit dem Thema E-Learning verdeutlicht, dass insbesondere das sogenannte Blended-Learning – die inhaltlich und didaktisch miteinander verzahnte Kombination aus tutoriell unterstützten Online-Lernmodulen zum Selbststudium und Präsenzlehrveranstaltungen – eine sehr vielversprechende neue Lernform für die ärztliche Fortbildung ist, die es zu fördern gilt.

So werden im Blended-Learning beispielsweise die Propädeutik und das Faktenwissen einer Lehrveranstaltung über ein strukturiertes und betreutes Online-Selbststudium vermittelt, während die Zeit der Präsenzphase für ein intensives Training von Fertigkeiten genutzt wird. Interpersoneller Austausch und Vernetzung finden über die Präsenzphase hinaus auch mittels elektronischer Kommunikation statt, und die Online-Einheiten können für Wissenskontrollen und Selbsttest sowie zur Wiederholung und Vertiefung, Vor- und Nachbereitung von Lehrstoff der Präsenzeinheiten genutzt werden. So bietet das Blended-Learning unter anderem die Chance zur Förderung einer Lernkultur, die in der ärztlichen Fortbildung auch dem Lernprozess einen wichtigen Stellenwert beimisst.

Bei der Erarbeitung des Kriterienkatalogs orientierte sich die Arbeitsgruppe an bereits vorhandenen Spezifikationen, Leitfäden und Prüfwerkzeugen für das E-Learning:

● PAS (Public Available Standard) 1032-1 Technische Regel, Ausgabe 2004–02
Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung von E-Learning – Teil 1: Referenzmodell für Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung; Planung, Entwicklung, Durchführung und Evaluation von Bildungsprozessen und Bildungsangeboten

● PAS 1068 Technische Regel, Ausgabe 2006–12
Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung von E-Learning – Leitfaden zur Beschreibung von Bildungsangeboten

● Leitfaden für die Begutachtung von Fernlehrgängen der „Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht“ (ZFU)

● Prüfformular „Qualitätssiegel E-Learning“ der Charité.

Die besonderen Aspekte der ärztlichen Fortbildung wurden durch die Einbeziehung der „Empfehlungen zur ärztlichen Fortbildung der Bundes­ärzte­kammer“ explizit berücksichtigt.

Parallel zu den Arbeiten auf Bundesebene beauftragte die Union Européenne des Médecins Spécialistes (U.E.M.S.) den European Accreditation Council for Continuing Medical Education mit der Erstellung eines Evaluationsbogens zur Bewertung von E-Learning-Fortbildungsmaßnahmen. Ein Vergleich zeigte eine hohe Übereinstimmung der U.E.M.S.-Kriterien mit denen der Bundes­ärzte­kammer und verdeutlicht, dass die von der „Initiative E-Learning“ erarbeiteten Qualitätskriterien auch den internationalen Standards entsprechen.

Auf der Grundlage der genannten Quellen erarbeitete die Arbeitsgruppe einen Kriterienkatalog, der einerseits Anbietern von E-Learning-Maßnahmen bereits bei der Konzeption von Fortbildungsangeboten eine Orientierung über die Qualitätsanforderungen bietet und andererseits eine strukturierte Prüfung und Bewertung von E-Learning-Maßnahmen in den Anerkennungsstellen der Lan­des­ärz­te­kam­mern ermöglicht. Hierzu wurde zusätzlich ein einfach zu handhabendes elektronisches Prüfformular entwickelt.

Zweistufiges Prüfverfahren für die Anerkennung
Die Anerkennung einer E-Learning-Fortbildungsmaßnahme erfolgt im Rahmen eines zweistufigen Verfahrens.

Stufe 1: In der ersten Stufe werden die Eingangsvoraussetzungen und Grundkriterien überprüft.

Hierbei werden Kriterien zur Produktneutralität, Rechtskonformität und formale Rahmenbedingungen bewertet. Zudem werden Aspekte des Betreuungskonzepts der didaktischen und mediendidaktischen Umsetzung sowie Qualitätssicherungsmaßnahmen geprüft.

Stufe 2: In der zweiten Stufe wird geprüft, ob die E-Learning-Fortbildungsmaßnahme die qualitätssteigernden Kriterien erfüllt. Diese umfassen folgende Bereiche:

● Orientierung
● Betreuungskonzept
● Didaktische Umsetzung
● Mediendidaktische und medientechnische Aspekte
● Qualitätssicherung
● Formale und rechtliche Aspekte
● Funktionale Aspekte/Benutzerfreundlichkeit.

Die Umsetzung der Kriterien wird auf einer Skala von eins bis vier bewertet. Bei Erreichen eines definierten Durchschnittswerts (Score) gilt die Fortbildungsmaßnahme als „qualitätsgesteigert“, und der Anbieter kann seine Fortbildungsmaßnahme mit folgendem Hinweis ankündigen: Die Fortbildung erfüllt die „Qualitätskriterien E-Learning der Bundes­ärzte­kammer“.

Darüber hinaus kann der Anbieter in Verbindung mit dieser Formulierung das E-Learning-Logo der Bundes­ärzte­kammer verwenden.

Nachdem die „Qualitätskriterien E-Learning der BÄK“ nach einer Erprobungsphase, die sich über das Jahr 2009 erstreckte, vom Vorstand der Bundes­ärzte­kammer in seiner Sitzung am 18. Dezember 2009 beschlossen wurden, stehen sie den Lan­des­ärz­te­kam­mern nun zur Implementierung zur Verfügung.

Der Kriterienkatalog der „Qualitätskriterien E-Learning der Bundes­ärzte­kammer“ ist auf der Internetseite der BÄK abrufbar unter: www.baek.de (Rubriken: Ärzte/Fortbildung/Empfehlungen).

Elisabeth Borg, Alexander W. Waschkau
Ärztekammer Westfalen-Lippe
Dr. Justina Engelbrecht, Karin Brösicke
Bundes­ärzte­kammer


Begriffsklärung
E-Learning: Unter E-Learning (engl.: electronic learning = „elektronisch unterstütztes Lernen“, wörtlich: „elektronisches Lernen“), auch als E-Lernen (E-Didaktik) bezeichnet, werden alle Formen von Lernen verstanden, bei denen elektronische oder digitale Medien für die Präsentation und Distribution von Lernmaterialien und/oder zur Unterstützung zwischenmenschlicher Kommunikation zum Einsatz kommen.

Blended-Learning: (Blend – Vermischen, Mischen, Vermengen) bezeichnet eine Lernform, die eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung von traditionellen Präsenzveranstaltungen und modernen Formen von E-Learning anstrebt. Das Konzept verbindet die Effektivität und Flexibilität von elektronischen Lernformen mit den sozialen Aspekten der Face-to-Face-Kommunikation sowie gegebenenfalls dem praktischen Lernen von Tätigkeiten. Bei dieser Lernform werden verschiedene Lernmethoden, Medien sowie lerntheoretische Ausrichtungen miteinander kombiniert. Quelle: wikipedia.de
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