ArchivDeutsches Ärzteblatt10/20103 Fragen an ... Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der KBV

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3 Fragen an ... Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der KBV

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Dr. med.Carl-Heinz Müller, Vorstand der KBV
Dr. med.
Carl-Heinz Müller,
Vorstand der KBV
Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung hat Zahlen zur Beteiligung von Versicherten an der Darmkrebsfrüherkennung vorgelegt. Halten Sie die Beteiligung für ausreichend?
Müller: Die Teilnahmequoten an präventiven Darmkrebsuntersuchungen sind in den vergangenen Jahren bereits gestiegen. Das zeigt, dass die Appelle an die Versicherten etwas bewirkt haben. Allerdings haben bislang bei weitem nicht alle Anspruchsberechtigten, das heißt Menschen, die älter als 55 Jahre alt sind, an der für sie kostenlosen Früherkennungskoloskopie teilgenommen. Das ist lange nicht ausreichend und spornt uns an, uns weiterhin dafür zu engagieren, dass sich mehr Menschen an den unter Umständen lebensrettenden Untersuchungen beteiligen.

Bundesgesundheitsminister Rösler hat sich gegen weitere geregelte Einladungsverfahren in der Krebsfrüherkennung, wie beim Mammographiescreening, ausgesprochen. Für wie sinnvoll hielten Sie ein solches Verfahren bei der Darmkrebsprävention?
Müller: Wir halten es für wichtig, dass der Vorsorgegedanke in der Bevölkerung gestärkt wird. Deshalb haben KBV und KVen eine eigene Präventionsinitiative gestartet. Durch ein gezieltes und modifiziertes Einladungsverfahren sollen die Bürger sensibilisiert werden. Danach würde ein ausführliches Informationsgespräch folgen, in dem Arzt und Patient gemeinsam abklären, ob – im Falle der Darmkrebsvorsorge – gegebenenfalls eine Koloskopie sinnvoll ist.

Kritiker halten es nicht für erwiesen, dass der Nutzen von Krebsfrüherkennungsuntersuchungen den möglichen Schaden überwiegt. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz mit Blick auf die Koloskopie aus, halten Sie diese für eine notwendige Früherkennungsuntersuchung?
Müller: Darmkrebs bereits in seinen Vorstufen zu erkennen und zu behandeln, ist Ziel der Vorsorgeuntersuchung. Diese Krebsart entwickelt sich sehr langsam, ist aber äußerst gefährlich. Die Koloskopie kann also Leben retten. Zudem ist dies eine qualitätsgesicherte Leistung. Die Gesundheit der Patienten hat dabei stets oberste Priorität. Es bedarf aber weiterer Anstrengungen bei der Aufgabe, familienbedingte Risikofaktoren zu entdecken. Außerdem wollen wir die Teilnahmequote und die Qualität der Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl erhöhen.

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