ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2010Schonende Stammzelltransplantation

MEDIZINREPORT

Schonende Stammzelltransplantation

Dtsch Arztebl 2010; 107(10): A-433 / B-383 / C-375

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Bei einer Leukämie mit hohem Risiko ist häufig die Stammzelltransplantation die einzige potenziell kurative Therapieoption. Die wenigsten Patienten haben einen HLA-identischen Spender in der Familie, die meisten jedoch einen haploidentischen Angehörigen, der für eine Stammzellspende in-frage käme. Das Ziel ist es, möglichst rasch die Immunabwehr zu rekonstituieren und lebensbedrohliche Infekte zu verhindern, ohne jedoch eine Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (GvH) hervorzurufen. Zugleich soll der Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt (GvL) erhalten bleiben. Eine neue, adoptive Immuntherapie soll die erwünschten Effekte einer Stammzellübertragung von den unerwünschten Wirkungen abkoppeln. Das Team um Prof. Dr. med. Massimo Martelli (Universität Perugia, Italien) hat die Methode entwickelt.

Dabei werden zusätzlich zu hämatopoetischen Stammzellen verschiedene Subgruppen von T-Lymphozyten verabreicht. Zunächst erhält der Patient eine hochdosierte Radiochemotherapie und drei Tage nach Abschluss dieser Konditionierung gereinigte T-regulatorische Zellen (Treg-Zellen) vom Spender. Diese CD4/CD25-positive Subpopulation von T-Lymphozyten reguliert die Aktivität von T-zytolytischen Zellen herunter. Treg-Zellen sollen damit Immunreaktionen des Spenders gegen Empfängerzellen und -gewebe vorbeugen. Kurze Zeit nach der Zuführung von Treg-Zellen werden gereinigte CD38+ Stammzellen des haploidentischen Spenders infundiert, an einem Tag noch zusätzlich reife Spender-T-Lymphozyten für die Infektionsabwehr. Die Patienten erhalten keine medikamentöse Immunsuppression.

26 von 28 auf diese Weise behandelte Patienten hatten ein gutes Engraftment mit einer raschen Rekonstitution der Immunabwehr gegen Pathogene ab dem zweiten Monat nach Transplantation, nur zwei Patienten entwickelten eine leichte GvH-Reaktion. „Durch die adoptive Immuntherapie war das Risiko für eine Reaktivierung von Zytomegalieviren im Vergleich mit historischen Kontrollen deutlich reduziert“, erläuterte Martelli. 90 Tage nach Transplantation gab es bei sechs Prozent der nach dem neuen Konzept behandelten Patienten eine Zytomegalieviren-Reaktivierung, gegenüber 41 Prozent der Kontrollpatienten. Diese Art der adoptiven Immuntherapie könnte sich als nebenwirkungsarme Methode zur Verhinderung von Abstoßungen nach Organtransplantation eignen und kam in die Auswahl der Best of ASH. nsi

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