ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2010Vertrag zwischen PKV und KV Bayerns: Werbung für Qualität

THEMEN DER ZEIT

Vertrag zwischen PKV und KV Bayerns: Werbung für Qualität

Dtsch Arztebl 2010; 107(10): A-434

Rieser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die privaten Krankenversicherer würden gern mit Arztgruppen Verträge schließen. Ihr Verband ist nun zumindest mit der KV Bayerns ins Geschäft gekommen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) und der Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) haben Anfang März in Berlin ein gemeinsames Pilotprojekt vorgestellt, das die Qualität in der ambulanten Versorgung von Privatversicherten erhöhen soll. Im Kern geht es darum, Angebote aus dem Qualitätssiegel-Programm „Ausgezeichnete Patientenversorgung“ der KV Bayerns aufzugreifen.

Dieses Programm umfasst derzeit mehr als 40 Qualitätssicherungsmaßnahmen für unterschiedliche Arztgruppen. Vertragspartner sind bislang bei einigen Programmteilen alle gesetzlichen Krankenkassen, bei anderen nur einzelne Kassen. Ärzte, die erfolgreich daran teilnehmen, können damit in ihrer Praxis werben.

„Die an den Qualitätsmaßnahmen der ,Ausgezeichneten Patientenversorgung‘ teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte erfüllen nachweislich besondere Qualitätsanforderungen in definierten Leistungsbereichen von der Schmerztherapie bis zur Darmkrebsvorsorge“, betonte KVB-Vorstand Dr. med. Axel Munte. Ziel der Kooperation von KV und PKV ist die Verknüpfung dieser gesicherten Versorgungsqualität mit einem speziellen Serviceversprechen im privatmedizinischen Bereich.

„Ärzte, die an der ,Ausgezeichneten Patientenversorgung‘ teilnehmen, können gegenüber unserem Verband ein Serviceversprechen, wie beispielsweise kürzere Wartezeiten bei der Terminvergabe sowie im Wartezimmer, abgeben. Darüber erhalten sie von der PKV ein Zertifikat. Mit dem Gütesiegel können sie durchaus auch Werbung für die eigene Praxis bei den Privatpatienten betreiben“, sagte der PKV-Direktor, Volker Leienbach. Zusätzliche Honorare zahlt die PKV allerdings nicht. Sie seien derzeit im Vergleich mit denen für gesetzlich Krankenversicherte hoch genug, befand er.

Leienbach warb zugleich dafür, mit anderen Gruppierungen als der KVB ebenfalls entsprechende Abkommen zu schließen: „Ich möchte ausdrücklich ein Angebot an andere innovative Ärzteverbände richten, die im Zeichen bester Versorgungsqualität und selbstbewusster Freiberuflichkeit zu entsprechenden Vereinbarungen bereit sind.“ Er forderte damit nicht nur erneut ein generelles Verhandlungsmandat für Selektivverträge für die PKV, sondern auch eine Öffnungsklausel in den Gebührenordnungen für Zahnärzte und Ärzte.

Dass privat Krankenversicherte bislang nicht automatisch immer nach den höchsten Qualitätsstandards behandelt werden, ließen Munte und Leienbach am Rande durchblicken. So gibt es allein in München nach Angaben des KVB-Vorstands circa 1 000 Ärztinnen und Ärzte, die nur privat Krankenversicherte behandeln. Weil sie keine Kassenzulassung haben, gelten für sie nicht automatisch die Qualitätssicherungsvorgaben, die KV und Krankenkassen vereinbart haben. Umgekehrt ist es diesen Ärzten aber auch nicht ohne weiteres möglich, sich im Rahmen von entsprechenden Angeboten der KV zu qualifizieren. Mit dem neuen Abkommen könnte sich dies ändern.
Sabine Rieser
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema