ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2010Positionspapier: Zu kurz gegriffen
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Die Verbesserung der Kooperation und Koordination zwischen Ärzten und Pflegeheimen ist angesichts der in Zukunft weiter steigenden Zahl behandlungs- und pflegebedürftiger hochaltriger Bewohner(innen) in stationären Pflegeeinrichtungen aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e.V. (DGGPP) dringend geboten. Die Initiative der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) ist daher zu begrüßen.

Der vorgetragene Vorschlag greift aber mit der bloßen Beschreibung zu optimierender operativer Prozesse und struktureller Gegebenheiten deutlich zu kurz. Der Hausarzt wird in den vorgelegten Vorschlägen lediglich zu einer stärkeren Wahrnehmung seiner Koordinierungsfunktion, etwa in der Behandlung mit Hinzuziehung von Fachärzten, aufgefordert. An keiner Stelle ist von der Notwendigkeit einer kontinuierlichen, begleitenden Fortbildung von Ärzten und Pflegekräften in den relevanten Feldern Geriatrie, Gerontopsychiatrie und Gerontoneurologie die Rede . . .

Schließlich erwähnt das Eckpunktepapier im Hinblick auf die Finanzierung wünschenswerter Maßnahmen lediglich die Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung und mögliche Zusatzverträge nach SGB V; die Notwendigkeit einer angepassten Finanzierungsregelung für die fachärztlich, beziehungsweise psychiatrisch zu erbringenden Leistungen bleibt hingegen unerwähnt.

Die DGGPP weist darauf hin, dass die zur ärztlichen Heimversorgung vorliegende Studienlage nachdrücklich eine unzureichende diagnostische Klärungsrate von bei diesem Personenkreis häufigen gerontopsychiatrischen Störungsbildern (Demenzen, Depressionen und Deliren) belegt (z. B. Riedel-Heller et al. 1999). Auch die Unter- und Fehlversorgung in den individuell erforderlichen psychopharmakologischen Verordnungen ist in der Literatur unstrittig (Rothgang et al. 2008., Pantel et al. 2005, Hallauer et al. 2005).

Das Papier der BÄK und des bpa enthält erste unterstützenswerte Aspekte, die aber zu sehr auf reine Verfahrensabläufe beschränkt bleiben und die tatsächlichen Ursachen bisheriger suboptimaler Versorgung zu wenig benennen und nicht erkennbar zu beheben versuchen.

Zusammenfassend ist festzuhalten: Bei Pflegeheimbewohnern handelt es sich in der Regel um chronisch kranke, alte bis hochaltrige Menschen, von denen viele eine nervenärztliche Betreuung benötigen, die bisher als nicht befriedigend angesehen werden muss.

Hausärzte sind die Primärversorger, verfügen aber häufig nicht über die notwendigen Kompetenzen auf nervenärztlichem Gebiet. Niedergelassene Nervenärzte verfügen oft nicht über ausreichende zeitliche Kapazitäten zur Versorgung behandlungsbedürftiger Heimbewohner, hier stehen in vielen Regionen Institutsambulanzen zur Verfügung. Vor dem Hintergrund der soeben erfolgten Kündigung des Vertrags der psychiatrischen Institutsambulanzen durch KBV und GKV beobachtet die DGGPP die weitere Entwicklung der Versorgung von Heimbewohnern mit größter Sorge.
Priv.-Doz. Dr. Martin Haupt, Vizepräsident der DGGPP, 51657 Wiehl
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