ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2010Positionspapier: Neue Versorgungsformen
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Endlich wird zum Thema, was vielen Hausärzten unter den Nägeln brennt, nämlich die sehr zeitaufwendige und wenig lukrative Versorgung unserer Pflegeheimbewohner. Viele Hausärzte, einschließlich mir, engagieren sich schon lange mit wöchentlichen Routinevisiten bei unseren Patienten zuzüglich notfallmäßiger Einsätze, wohl wissend, dass die Ordinationsziffern und Chronikerzuschläge bereits nach zwei Wochen abgeschöpft sind und die Besuchsziffern dem Budget zum Opfer fallen. Eine routinemäßige Mitbehandlung der Patienten des Kollegen wird so lange nicht funktionieren, wie dafür nur die halbe Versichertenpauschale bezahlt wird. Es müssen dringend neue Versorgungsformen auf den Tisch! Die Heime haben aber daran kein Interesse, solange das jetzige Modell funktioniert.

Außerdem müssten die Pflegefachkräfte in den Heimen viel besser ausgebildet sein, um Verantwortung zu übernehmen und kleine Probleme selbst zu lösen. Aus Angst vor Fehlern, muss ärztlicherseits jede Kleinigkeit dokumentiert werden und jede Belanglosigkeit beim Patienten behandelt werden. Das kostet sehr viel Zeit und Geld.

Die Bestimmungen des MDK führen nicht selten dazu, dass eine abstruse Vorratshaltung an Medikamenten getrieben wird und der gesunde Menschenverstand oft ausgeschaltet wird, zum Beispiel müssen Bedarfsmedikamente ständig auf den Patienten rezeptiert werden. Wenn er diese nicht braucht, verfallen sie, dürfen aber nicht für andere Patienten genutzt werden.

Die in den Heimen umgehenden Ernährungsberater und Wundmanager, sowie sonstige Vertreter der Hilfsmittelindustrie, geben „Empfehlungen“ zur Verordnung teurer Präparate, die wir dann verordnen sollen und verantworten müssen.

Ich habe den Eindruck, dass eine riesige Pflegeindustrie aufgebaut wird, und jeder möchte an den Pflegeheimbewohnern verdienen. Nur die, die sich wirklich um die Kranken, Gebrechlichen und Pflegebedürftigen kümmern, bleiben auf der Strecke. Damit meine ich auch ausdrücklich die schlecht bezahlten Pflegekräfte.
Dr. med. Gabriele Benning, 67591 Offstein
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