ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2010Art Cru: Haus, Landschaft oder Mond

KULTUR

Art Cru: Haus, Landschaft oder Mond

Dtsch Arztebl 2010; 107(10): A-451 / B-399 / C-389

Meisner, Judith

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LNSLNS In Berlin-Mitte werden Bilder von Künstlern mit Behinderungen präsentiert und protegiert.

Andrea Rauschs Lieblingsmotive sind paradiesische Landschaften: „Blaues Strandpanorama – anderswo.“
Andrea Rauschs Lieblingsmotive sind paradiesische Landschaften: „Blaues Strandpanorama – anderswo.“
Seit Berlin immer mehr zur Kunstmetropole wird, hat sich mit Art Cru eine Galerie für eine etwas andere Kunst etabliert: Den Galeristen Alexandra von Gersdorff-Bultmann und Nikolaj Bultmann liegt die Förderung der „Außenseiterkunst“ am Herzen. Damit sind Arbeiten jener Künstler gemeint, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Disposition oder Behinderung nicht in der Lage sind, ein regelrechtes Akademiestudium zu absolvieren. Sie sind aber dennoch hauptberuflich als Künstler tätig und arbeiten oft über den therapeutischen Aspekt hinaus an ihren Werken. So ist ein persönlicher Stil eine der Voraussetzungen für die Präsentation in der Berliner Kellergalerie.

„Ziel der Galerie Art Cru ist es, die unverfälschten und im Abseits entstehenden Werke von Künstlern zu präsentieren und zu protegieren. Die Maler und Bildhauer entwickeln zum Teil unter künstlerischer oder therapeutischer Anleitung hochwertige Werke. So zeigen wir Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Installationen und Zeichnungen“, erklärt von Gersdorff-Bultmann, die Vorsitzende des Trägervereins der Galerie. Die Textildesignerin arbeitete 20 Jahre lang als Ergotherapeutin und gründete das Offene Atelier der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St.-Hedwig-Krankenhaus.

Ihre Sehnsucht nach Sonne und Strand kann Andrea Rausch mit einem Blick auf ihre Tür stillen: „Notausgang ins Paradies.“ Fotos: Hans-Peter Theurich
Ihre Sehnsucht nach Sonne und Strand kann Andrea Rausch mit einem Blick auf ihre Tür stillen: „Notausgang ins Paradies.“ Fotos: Hans-Peter Theurich
Die erste Ausstellung vor circa einem Jahr war der Berliner Gruppe „imPerfekt“ gewidmet. 14 Künstler arbeiteten unter der Anleitung des Bildhauers Matthias Rinne. Er gab die Richtung vor: Haus, Landschaft oder Mond waren die Themen, mit denen sich die „Außenseiter“ auseinandersetzten. „Die Künstler haben verschiedenste Beeinträchtigungen und Behinderungen, so dass ihre Konzentrationsfähigkeit unterschiedlich ausgeprägt ist. Manchmal wird ein Werk lange zur Seite gelegt, bis es weiterentwickelt werden kann“, sagt der Geschäftsführer der Galerie, Nikolaj Bultmann. Wichtig ist es ihm, dass stets die Kunst im Vordergrund steht, woran die Maler leiden, wird nie zum Thema.

Sehr eindrucksvoll sind die Werke der Malerin Andrea Rausch, die Galerie präsentierte sie kürzlich in einer Einzelausstellung: Die farbkräftigen, oft witzigen und ironisch gebrochenen Bildideen laden dazu ein, die Augen in exotischen Landschaften auf die Reise zu schicken. So hat die 53-Jährige eine Strand-idylle auf einer ihren Wohnungstüren verewigt.

Seit nunmehr einem Jahr sind bei Art Cru in der angesagten Mitte der Hauptstadt regelmäßig Gruppen- oder Einzelausstellungen zu sehen. Damit hat die Berliner Kunstszene Anschluss an internationale Vorbilder gefunden. Ähnliche Galerien haben sich in New York und London schon lange etabliert.
Judith Meisner


Informationen
Anschrift: Galerie Art Cru Berlin, Im Kunsthof, Oranienburger Straße 27, Telefon: 0172 3833728, Internet: www.art-cru.de. Die Ausstellung der Gruppe imPerfekt ist bis zum 13. April zu sehen.
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