ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1997Fumarate zur Behandlung der Psoriasis

MEDIZIN: Diskussion

Fumarate zur Behandlung der Psoriasis

Altmeyer, Peter; Nüchel, Claus-Michael; Zesch, A.

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Peter Altmeyer und Dr. med. Claus-Michael Nüchel in Heft 48/1996
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LNSLNS Zur Begriffserläuterung
Entgegen den einleitenden Worten wurden in Deutschland "Fumarate zur Therapie von schweren Psoriasisformen" vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte so nicht zugelassen. Nach Vorgaben des Arzneimittelgesetzes werden nicht Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen, sondern nur Fertigarzneimittel zugelassen. Es ist richtig, daß zwei zusammengehörende Fertigarzneimittel eines Herstellers zugelassen wurden, die aufgrund ihrer Zusammensetzung leider nicht firmenneutral als "Fumarate" dargestellt werden können. Bei dieser Art der Darstellung wird zwangsläufig der jahrzehntelangen "Ideologie" einer Fumarsäuretherapie das Wort geredet. Kein Arzt käme auf die Idee, sich bei der Verordnung von Isosorbiddinitrat über die Pharmakologie von Salpetersäure oder bei der Rezeptur von Hydrocortisonacetat über die Daten zur Toxizität von Essigsäure zu unterrichten. Genau das wird jedoch bei der Verordnung der Gemische oder bei der Diskussion über die Wirksamkeit und Verträglichkeit von "Fumaraten" getan.
Weiterhin sollte bedacht werden, daß zum Beisiel bei einer Verordnung von "Eisen" fast grundsätzlich Eisenfumarat appliziert wird, ohne daß man das Anion überhaupt pharmakologisch beachtet.

Prof. Dr. med. A. Zesch
Bundesinstitut für
Arzneimittel und Medizinprodukte
Seestraße 10 13353 Berlin


Schlußwort
Selbstverständlich stimmen wir mit Herrn Zech in der Feststellung überein, daß die Zulassungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte allein die Präparate Fumaderm und Fumaderm initial betreffen, auf die sich auch sämtliche Ergebnisse sowohl unserer als auch anderer aktueller Studien beziehen. Entsprechende Fumaratrezepturen besitzen keine Zulassung und unterliegen auch nicht der Kontrolle des Bundesinstitutes. Die Pharmakologie der Fumarsäureester ist tatsächlich bisher ungeklärt und Gegenstand immunologischer Forschung. Jedoch bleiben beispielsweise in dem Molekül Fumarsäuredimethylester lediglich nur zweimal Methanol und einmal Fumarsäure als pharmakologisch relevante Einzelkomponenten übrig. Mittlerweile konnte der Wirkmechanismus der Präparate weiter aufgedeckt werden. Die Ergebnisse belegen einen immunsuppressiven Effekt durch Reduktion insbesondere der CD4- und CD8-positiven T-Lymphozyten (1) sowie einen immunmodulatorischen Effekt durch Änderung des Psoriasis-typischen, pathologischen TH1Zytokinmusters der T-Helfer-Zellen (2). Durch den Zytokin-Wechsel wird eine übersteigerte entzündliche TH1-Immunantwort (IL-2, IFN-g) durch eine antientzündliche TH2-Immunantwort (IL-4, IL-5) moduliert, ohne dabei die Infektanfälligkeit des Patienten zu erhöhen.


Literatur
1. Altmeyer P et al.: Verlaufsbeobachtung der Lymphozytensubpopulationen bei Psoriasis-Patienten unter oraler Therapie mit Fumaraten. Akt Dermatol 1996; 22: 272-277.
2. De Jong R et al.: Selective stimulation of T helper 2 cytokine responses by the anti-psoriasis agent monomethylfumarate. Eur J Immunol 1996; 26: 2067-2074.


Prof. Dr. med. Peter Altmeyer
Dr. med. Claus-Michael Nüchel
Dermatologische Klinik der
Ruhr-Universität Bochum
Gudrunstraße 56 44791 Bochum

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